Vermischtes

Bahnreisen: «Sechs Hauptstädte per Zug – für rund 200 Euro»

Berlin (dpa/tmn) –

Auf Zugfahrten sieht man das Leben, das wusste schon Agatha Christie. Warum also nicht mit der Bahn ein Land erkunden? Nicht nur entlang großer Städte, sondern auch kleiner Orte abseits des Mainstreams.

Patrick Neumann hat genau das gemacht und ein Buch darüber geschrieben («Zugrouten durch Europa»). Ein kurzes Gespräch über Schweizer Verlässlichkeit, den Reiz der Nebenstrecken und Flexibilität beim Reisen.

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Herr Neumann, Sie sind allein in den vergangenen vier Jahren knapp 100.000 Kilometer per Bahn durch Europa gefahren. Haben Sie ein Lieblingsland?

Patrick Neumann: In Sachen gepflegter Infrastruktur würde ich die Leute zur Bahn-Kur in die Schweiz schicken. Das ist jetzt ein alter Hut, dass dort alles besser klappt. Aber es ist so. Auch stehen an vielen großen Bahnhöfen Ersatzzüge bereit, Reisende bemerken von Verspätungen oder Ausfällen oft gar nichts.

Mein persönlicher Favorit für Bahnreisen ist aber das Mutterland der Eisenbahn. Ich habe einfach große Freude daran, durch Großbritannien zu fahren. Allein schon die Kultur des Personals: «Tickets please, cheers mate, thanks a lot!» Alles locker und freundlich. Die kleinsten Bahnhöfe sind noch liebevoll bepflanzt. Es gibt viele Museumszüge, das ist wirklich Eisenbahnkultur!

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Was ist ihr Tipp für eine besondere Zugreise in Europa?

Neumann: Eine Route durch die einstige k.u.k.-Monarchie mit sechs Hauptstädten – von Prag über Wien nach Bratislava, dann weiter nach Budapest, Zagreb und Ljubljana.

Wenn Sie genug gesehen haben oder in der nächsten Stadt das Wetter besser ist, einfach weiterreisen. Die gesamte Route kostet auch mit kurzfristigen Fahrscheinkäufen nur um die 200 Euro. Am besten reist man mit leichtem Gepäck, denn auch Zwischenstopps lohnen: zum Beispiel Brünn oder der Balaton, und besonders die Natur rund um das Donauknie, der berühmten Flussschleife vor Budapest.

Überhaupt erlebt man Land und Leute noch einmal ganz anders, wenn man auch Nebenstrecken fährt und an kleineren Bahnhöfen aussteigt. Dafür muss man nicht über die Grenzen schauen: Es macht beispielsweise einen großen Unterschied, ob Sie die Schnellfahrstrecke von Köln nach Frankfurt nehmen und durch die Tunnel rauschen oder ob Sie gemütlich am Rhein entlangfahren.

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Wie planen Sie Bahnreisen?

Neumann: Auch wenn im ICE alle Plätze besetzt sind, kommt man mit. In Frankreich, Spanien oder Italien geht ohne Reservierung im Fernverkehr nichts. Von daher ist mein Tipp, dass man längere Etappen im Voraus plant – gerade auch bei Nachtzügen. Dazwischen lobe ich mir die Flexibilität. 

Ein gutes Beispiel ist die fast ganzjährig empfehlenswerte Route am Mittelmeer von Marseille aus nach Italien: Die Anreise nach Südfrankreich und die Rückfahrt von Bologna vorab buchen, und sich entlang der Côte d’Azur und der italienischen Riviera spontan chauffieren lassen.

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Gerade für das flexible Reisen lohnt sich oft Interrail. Weniger in Osteuropa und auf kurzen Tagesetappen, auf jeden Fall aber in der Schweiz, Großbritannien und auch Frankreich, trotz der extra fälligen Reservierungen in den Fernschnellzügen.

ZUR PERSON: Patrick Neumann ist schon seit Kindesbeinen von Zügen fasziniert. Er engagiert sich im Netzwerk «Back on Track» für ein besseres Nachtzugangebot. Sein Buch ist beim Reise Know-How Verlag erschienen.