Sport

Casting ohne Kandidaten: Verzweifelte Suche nach US-Pilot

Austin (dpa) –

Drei Rennen in den USA. Zwei amerikanische Teams. Der US-Tech-Gigant Apple, der die Formel 1 im Land der unbegrenzten Möglichkeiten seit diesem Jahr zeigt. Die Königsklasse des Motorsports hat nach viel Leerlauf und Kriechtempo im Turbo-Speed das Land von Indy- und Nascar erobert.

Eine Milliarde US-Dollar Wertschöpfung in Austin

Die Tourismus-Bosse in Austin rechnen mit einer Hotelauslastung von bis zu 95 Prozent an diesem Wochenende und rund einer Milliarde US-Dollar wirtschaftlicher Wertschöpfung. Und in ein paar Wochen kommt es nach Miami und Austin in Las Vegas schon zum nächsten Grand Prix à la USA. 

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Keine andere Nation ist gleich dreimal im Jahr Gastgeber für das Rennspektakel. Austin ist seit 2012 im Rennkalender, Miami feierte 2022 seine Premiere, seit 2023 wird wieder in Las Vegas gefahren. 

Die Formel 1 ist in den USA zum Hingucker geworden, Sport und Show haben sich gefunden unter den US-Besitzern. Auch die beiden US-Teams treten vor heimischer Kulisse in Austin mit Sonderlackierungen an. Über 400.000 Zuschauer auf dem Circuit of the Americas sind keine Seltenheit.

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Nur eines fehlt: ein Stammfahrer unter Stars-and-Stripes-Flagge. Was auch immer die USA in Sachen Formel 1 unternimmt – beim Piloten hört es auf. Ein Casting ohne Kandidaten. Der, der es mal werden sollte, Colton Herta, wird zwar beim Großen Preis in Austin im Freien Training im Cadillac sitzen. Mehr als ein bisschen PR ist es nicht.

Wenn sich der Kreis schließt 

«Ich habe tolle Erinnerungen an diese Strecke – der erste IndyCar-Sieg hier 2019 war ein großer Moment in meiner Karriere», sagte er: «Hier nun in ein Formel-1-Auto zu steigen, lässt den Kreis schließen.» 

Nach seinem Wechsel von der IndyCar in die Formel 2 scheitert Herta in diesem Jahr allein schon daran, die Superlizenz für die Königsklasse zu bekommen. Ohne den Formel-1-Führschein aber kein Formel-1-Pilot. 

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Dabei hatte sogar der einstige Weltmeister und sicher berühmteste amerikanische Ex-Formel-1-Pilot Mario Andretti aus den USA seinen Landsmann einst gepriesen: «Ich bin wirklich ein Fan von Colton. Er bleibt einfach ruhig und gelassen. Das liebe ich.» Das war vor fünf Jahren.

Zwei Brasilianer, ein Argentinier, ein Mexikaner

2026 sollte Herta in der Formel 2 die Basis für den neuerlichen Auf- und Einstiegsversuch legen. Die Realität: 19. Platz, 181 Punkte Rückstand des 27 Jahre alten Amerikaners auf Platz eins und Rafael Câmara. Ein 21 Jahre alter Brasilianer, der sein Formel-1-Cockpit schon sicher hat. 

Câmara wird ab 2027 für Haas fahren – pikanterweise das zweite der beiden US-Teams. Neben Landsmann Gabriel Bortoleto von Audi und Franco Colapinto aus Argentinien von Alpine wird er der Dritte der Südamerika-Fraktion sein. Und es gibt vom amerikanischen Kontinent auch noch Sergio Pérez. Der 36 Jahre alte Mexikaner fährt für? Cadillac! 

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Zudem reaktivierte der US-Rennstall den mittlerweile 37 Jahre alten Valtteri Bottas. Der Verbleib des Finnen soll allerdings fraglich sein. Als Nachfolger wird jedoch ein Franzose gehandelt: Esteban Ocon, der bei Haas für Câmara Platz machen muss. 

Die US-Fahrerbilanz ab 2000: Ernüchternd

Nur zwei US-Stammfahrer gab es in diesem Jahrtausend: Scott Speed 2006 und 2007 für das damalige Team Toro Rosso (heute Racing Bulls), der während der zweiten Saison durch Sebastian Vettel ersetzt wurde und Logan Sargeant 2023 und 2024 für Williams. Er musste in seinem zweiten Jahr vor Saisonende Colapinto weichen. Hinzu kamen noch fünf Einsätze von Alexander Rossi 2015 für das damalige Marussia-Team. Keine Bilanz mit Potenzial zur Hoffnung.