Melsungen (dpa) –
Der ehemalige Handball-Nationalspieler Stefan Kretzschmar befürchtet im Konflikt um Nationalmannschaftskapitän Johannes Golla ein Negativ-Beispiel für die Zukunft. «Du machst natürlich für die Zukunft jetzt Tür und Tor auf für eventuelle – und das meine ich jetzt nicht despektierlich und ich möchte auch nicht die mentale Situation von Johannes Golla jetzt hier benutzen, um kritisch zu sein – für Nachahmer», sagte der ehemalige Sport-Vorstand der Füchse Berlin im Dyn-Podcast «Kretzsche & Schmiso».
Golla möchte den Handball-Bundesligisten MT Melsungen trotz eines Fünfjahresvertrages vorzeitig verlassen und zu seinem vorherigen Club nach Flensburg zurückkehren. Der Nationalspieler hatte unter anderem auf die Gefährdung seiner mentalen Gesundheit hingewiesen.
Kretzschmar: «Du schaffst eine Causa»
Der 53 Jahre alte Kretzschmar sieht aufgrund der klaren Vertragssituation des 28 Jahre alten Kreisläufers bei MT Melsungen eine Gefahr im Handballsport. «Also was kommt denn eventuell als Nächstes? Jetzt sieht Spieler X, Y, Z: Okay, wenn ich die Karte spiele, dann komme ich aus meinem Vertrag eventuell raus oder dann muss der Verein mich gehen lassen. Und eventuell gibt es Leute in der Zukunft, die das auch dann sagen oder auch von sich behaupten oder auch die Karte spielen und das Beispiel Golla als Beispiel aufrufen werden», sagte der ehemalige Weltklasse-Linksaußen. Er fügte an: «Du schaffst jetzt natürlich eine Causa, die ebenfalls gefährlich werden könnte, für alles was jetzt noch kommt.»
Im Wechsel-Poker um Golla wurde der Vertrag des Nationalspielers nach dpa-Informationen am Montag vergangener Woche außerordentlich zum nächstmöglichen Zeitpunkt hilfsweise gekündigt. Sein Kontrakt in Melsungen läuft bis 2031. Es gibt im Vertrag eine Ausstiegsklausel nach drei Jahren, die dort festgeschriebene Ablöse soll dem Vernehmen nach bei 500.000 Euro liegen. Flensburg möchte den Weltklasse-Kreisläufer nach nur drei Monaten schnellstens zurückholen. Für Kretzschmar ist «das Thema durch, und jetzt geht es um die Verhandlungen: Melsungen, Flensburg, welche Ablöse und wann geht er?»
Golla hatte in einem Post bei Instagram geschrieben: «Der Abschied von Flensburg und all den geliebten Menschen dort hinterlässt Spuren. Unsere gesamte Welt, die wir uns in 8 Jahren an der Förde aufgebaut haben, hinter uns zu lassen, auch Menschen, die mich gut kennen, haben längst gesehen, dass es mir nicht gut geht und dass es mittlerweile nicht mehr „nur“ Heimweh ist, sondern meine mentale Gesundheit ernsthaft gefährdet ist.»
