Köln (dpa) –
Der Spiele-Doppelpack gegen Union Berlin wird für René Wagner wohl wegweisend. Offiziell hat der Trainer des 1. FC Köln die Rückendeckung der Vereinsführung, das hat Sportchef Thomas Kessler nach der ernüchternden Nullnummer am Wochenende in der Fußball-Bundesliga gegen den FC Schalke 04 deutlich gemacht. Die Frage ist nur: Wie lange gilt das?
«Ich bin jetzt ja auch schon etwas länger im Verein. Das sind natürlich Momente, wo man auch persönlich getroffen ist. Das ist nicht einfach. Aber wir müssen damit umgehen», sagte Wagner vor dem DFB-Pokalspiel am Dienstag (20.45 Uhr/Sky) gegen Union. Am Sonntag müssen die Kölner in der Liga dann in Berlin ran.
Was Wagner meinte, war die Reaktionen von etlichen Fans beim 0:0 gegen Schalke. Nur zwei Wochen nach dem emotionalen 2:1-Derbysieg gegen Borussia Mönchengladbach gab es am Samstag einige laute «Wagner raus»-Rufe.
Wagner getroffen von Fanreaktionen gegen ihn
«Das müssen wir jetzt abhaken. Gegen Union gibt es eine neue Möglichkeit, die Fans glücklich zu machen», sagte Wagner, der nach der Trennung von Lukas Kwasniok im März vom Co- zum Cheftrainer aufgestiegen war. Dass er so wenig Kredit bei den Fans hat, bei denen er schon lange in der Kritik steht, hat den 38-Jährigen getroffen. Wagner berichtete von einem «flauen Gefühl im Magen» am Tag nach der Fan-Wut.
Nicht zu Unrecht, denn dies hatte auch Wirkung auf die sportliche Leitung. Sportchef Kessler hatte dies auch erstmal sacken lassen müssen und einen Tag nach dem 0:0 gegen Schalke gesagt: «Ja, er hat volle Rückendeckung.»
Kesslers klarer Hinweis: Spiele gegen Union «brutal wichtig»
Verbunden wurde dies aber eben auch mit dezenten Hinweisen zur Bedeutung dieser Woche. «Wir haben jetzt zwei brutal wichtige Spiele, zweimal gegen den gleichen Gegner. Deswegen geht es jetzt einfach darum, einen guten Job zu machen. Und das, was natürlich Vertrauen der Menschen herbeiruft, sind Erfolge. Das ist die Währung, die jetzt aktuell offensichtlich zählt», sagte Kessler und kündigte eine Bilanz nach zehn Bundesligaspielen an: «Dann sieht man zumindest mal eine Tendenz.»
Da die beiden Gegner nach dem Union-Doppelpack Bayer Leverkusen und Bayern München heißen, kann sich Wagner ausrechnen, wie wichtig das Weiterkommen im Pokal und das Ligaspiel in Köpenick werden.
Was die Fans frustriert, ist das müde Angriffsspiel. Gegen Schalke sorgten zudem die Auswechslungen der Offensivspieler Mikey Moore und Said El Mala, obwohl insbesondere Moore schwach spielte. Selbst FC-Legende Pierre Littbarski nahm dies später zum Anlass, via Instagram gegen Wagner zu ledern. «Ich nehme natürlich nicht die Spieler runter, die mir ein Spiel gewinnen können», ätzte Littbarski unter anderem. «Heute das Spiel kannst du in die Mülltonne schmeißen.»
Auch FC-Ikone Littbarski ätzt gegen Wagner
Zwei Wochen zuvor hatte das 2:1 im Derby gegen Gladbach die Position Wagners wohl nur scheinbar gefestigt. Schon da täuschte das Ergebnis über das schwache Spiel der Kölner hinweg. Nach dem 0:1 bei Eintracht Frankfurt und dem torlosen Remis gegen Schalke ist die Ernüchterung nun groß. «Wir müssen natürlich gerade zu Hause versuchen, Tore zu schießen. Das ist gerade eines der Hauptthemen», sagte Wagner, merkte aber auch an, wie sehr die verletzungsbedingten Ausfälle beider Mittelstürmer Thijs Dallinga und Ragnar Ache wehtun: «Wir müssen uns dabei auch daran gewöhnen, dass und die klare Neun gerade fehlt.»
Immerhin Ache kehrt diese Woche nach seiner Muskelverletzung zurück in den Kader. Am Dienstag soll kurzfristig entschieden werden, ob der 28-Jährige schon im Pokal sein Comeback geben kann.
