Freiburg (dpa) –
Zum Glück könne er gut schwimmen, sagte Julian Schuster mal. Er sei schließlich ja schon oft ins kalte Wasser geworfen worden. Im Sommer 2024 war das nicht anders. Die Beförderung vom Verbindungs- zum Cheftrainer des SC Freiburg – und dann auch noch als Nachfolger des ewigen Christian Streich: Sie war so etwas wie der Sprung vom Zehn-Meter-Turm. Doch Schuster meisterte ihn mit Bravour. Für seine ersten knapp zweieinhalb Jahre als SC-Coach gab es beste Haltungsnoten. Nun feiert er ein Jubiläum.
Das schwere Erbe von Kulttrainer Streich
Die Conference-League-Partie gegen den tschechischen Außenseiter FK Jablonec am Donnerstag (21.00 Uhr/Sky) wird Schusters 100. Pflichtspiel als Freiburg-Trainer. «Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell dreistellig wird», sagte er. Er sei dankbar für die Aufgabe und dafür, dieses Team zu trainieren.
Was Schuster in den bisherigen 99 Partien erlebt hat, gleicht einem kleinen Fußball-Märchen: Gleich in der ersten Saison unter der Führung des Ex-Profis verpasste der SC nur um Haaresbreite die Champions League, in der zweiten erreichte er das Finale der Europa League. In der Bundesliga grüßen die Badener aktuell von der Spitze. Wirtschaftlich schreiben sie Rekordzahlen.
Es läuft bei Schuster und seinen Freiburgern. Besser, als es viele nach dem Abschied von Kulttrainer Streich wohl erwartet hatten. Immerhin betreute der die SC-Profis mehr als zwölf Jahre lang und wurde in dieser Zeit nicht nur ein prägendes Gesicht des Vereins, sondern des gesamten deutschen Fußballs. Doch sein früherer Kapitän Schuster, das hat Streich inzwischen schon öfter gesagt, sei die «optimale Lösung» für seine Nachfolge gewesen.
«Es steckt so viel von ihm in mir», sagte Schuster selbst, als er an einem dieser glanzvollen Europapokal-Abende der vergangenen Saison mal wieder an seinen Vorgänger Streich dachte. Beide hätten sie den Club «tief im Herzen», beide seien sie «mit ihm gewachsen». Streich gebe ihm weiterhin «so viel Kraft».
Keller: Schuster kann ähnliche Ära prägen
Nach Meinung des früheren SC-Präsidenten Fritz Keller könnte der 41-jährige Schuster bei den Breisgauern daher sogar eine ähnliche Ära prägen wie Streich. «Davon bin ich vollkommen überzeugt», sagte Keller der Deutschen Presse-Agentur. «Vorausgesetzt, alle behalten die Geduld.» Denn, so der 69-jährige Keller weiter: «Es werden auch mal wieder Rückschläge kommen.»
Das Beispiel Streich habe einst gezeigt, wie sinnvoll es sein könne, selbst ausgebildete Trainer zum Chef zu machen, erklärte Keller. Bei Schuster sei das nicht anders. Der frühere Freiburger Mittelfeldspieler arbeitete mehrere Jahre als Bindeglied zwischen Profis und Nachwuchs, ehe er Streichs Posten übernahm. Der Familienvater kennt den Club aus dem Effeff, verkörpert die Freiburger DNA mit allem, was dazugehört: Ehrgeiz, Demut, Bodenständigkeit.
«Er war vielleicht kein überragender Spieler, aber schon immer hochintelligent», sagte Keller über Schuster. «Man konnte schon früh erkennen, was für ein Trainertalent da unterwegs ist. Er war schon immer top vorbereitet, hat schon immer total akribisch gearbeitet – aber nicht verbissen, sondern mit einer wahnsinnig sympathischen und mitreißenden Art.»
Frühere Mitspieler spüren Generationenwechsel
In Freiburg reißt sie Spieler und Fans gleichermaßen mit. Die Geschlossenheit, mit der die Mannschaft auftritt und die sie zuletzt auch beim 2:1-Sieg gegen den FC Schalke 04 in Unterzahl wieder demonstrierte, ist auch auf den Führungsstil des Trainers zurückzuführen. Schuster wird nicht müde, auch die Reservisten für deren Einstellung zu loben. Die langjährigen Anführer Christian Günter oder Vincenzo Grifo etwa, mit denen der Coach selbst noch zusammenspielte und die den Generationenwechsel im Team gerade deutlich zu spüren bekommen.
Gleich vier Freiburger berief der neue Bundestrainer Jürgen Klopp zuletzt in seinen XXL-Antrittskader: Philipp Treu, Derry Scherhant, Yannik Engelhardt und Max Rosenfelder. Auch das ein Beleg dafür, wie Schuster die bemerkenswerte Entwicklung des SC, der im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Rekordumsatz erzielt hat, weiter vorantreibt und sogar noch mal auf eine neue Stufe hebt.
Ein gebürtiger Schwabe mitten unter den Badenern: Julian Schuster hat sich als Trainer in Freiburg nicht nur freigeschwommen. Er reitet die Erfolgswelle.
