Berlin (dpa) –
Ex-Handball-Star Stefan Kretzschmar sind einige Interviews und Aussagen von früher «teilweise peinlich». «Damals war das vielleicht cool. Heute frage ich mich, ob ich jemanden wie den damaligen Stefan Kretzschmar als Spieler in meiner Mannschaft haben wollen würde. Diese Frage kann ich nicht eindeutig mit Ja beantworten», sagte der 53-Jährige im Interview der «Sports Illustrated».
Kretzschmar bekam während seiner aktiven Karriere aufgrund seiner Tattoos, exzentrischen Frisuren sowie durch teils unbequeme Aussagen das Etikett des «Handball-Punks» verpasst. Übte er früher Kritik an Schiedsrichtern und Handballfunktionären, sorgte er nach seinem Karriereende (2007) unter anderem in einem Interview von «t-online» 2019 für Aufsehen, als er sagte, dass es im Sport «keine Meinungsfreiheit im eigentlichen Sinne» mehr gebe.
Zudem bemängelte er mal, dass es im heutigen Sport kaum noch «echte Typen und Charakterköpfe» gebe. Junge Spieler würden durch Medientrainings extrem angepasst sein. Diese seit Jahren geführte Diskussion sei auf jeden Fall berechtigt. «Für mich hängt das mit Social Media zusammen. Früher hast du eine provokante Aussage gemacht, dann war sie vielleicht eine Woche lang Thema – und anschließend war sie vergessen. Heute bleibt jeder Satz für immer im Internet. Das verändert Menschen», sagte Kretzschmar nun.
Social Media Fluch und Segen
Hätte es zu seiner Zeit als Profi schon Soziale Medien gegeben, «wäre das Fluch und Segen zugleich gewesen. Einerseits hätte ich manche Dinge nicht so exzentrisch leben können, andererseits hätte ich mit meiner Art vermutlich eine enorme Community aufgebaut», erklärte Kretzschmar, dem bei Instagram 269.000 Menschen folgen.
Kretzschmar ist bei dem Thema etwas zwiegespalten. Social Media sei auch für ihn eine Art Währung. «Wenn ich mit TV-Partnern oder Unternehmen spreche, spielt die Reichweite eine Rolle… Aber Social Media ist auch eine Scheinwelt. Jeder zeigt die schönen Seiten seines Lebens oder das, was er für relevant hält», sagte der 218-malige Nationalspieler und Olympia-Zweite von 2004.
