Paris (dpa) –
Ein Satz von ChatGPT und technische Recherchen mit künstlicher Intelligenz: Nur einen Tag nach der Verleihung des renommierten Prix Goncourt hat der französische Schriftsteller Philippe Jaenada den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) bei der Arbeit an seinem ausgezeichneten Roman eingeräumt – und das nach dem KI-Skandal um einen anderen Autor.
Er habe ChatGPT insgesamt dreimal für «L’Inconnue du quai de Javel» (etwa: «Die Unbekannte vom Quai de Javel») genutzt, sagte der 62-Jährige dem Radiosender France Inter.
«Man kann nicht so tun, als gäbe es sie nicht»
Unter anderem habe er einen von ChatGPT verfassten Satz in das Buch eingebaut, um «mit dem Leser zu spielen». Ein weiteres Mal habe er die KI genutzt, um sich über deren mitunter absurde Antworten auf technische Fragen lustig zu machen. Außerdem habe er sie für technische Recherchen herangezogen.
«Man kann nicht so tun, als gäbe es sie nicht», sagte Jaenada über die KI. Man könne sie nicht verdrängen, betonte der Schriftsteller. Man müsse sie nutzen, sich mit ihr vertraut machen, dürfe sich aber nicht von ihr ersetzen lassen.
Jaenadas Geständnis kommt nach einer Kontroverse um den kanadisch-haitianischen Schriftsteller Thélyson Orélien. Dessen Roman «C’était ça ou mourir» war wegen des Verdachts auf KI-Einsatz aus der Auswahl für den Prix Goncourt genommen worden.
Jaenada hatte am Dienstag für seinen Roman «L’Inconnue du quai de Javel» den Prix Goncourt 2026 erhalten. Darin rekonstruiert er den Mord an dem Pariser Künstlermodell Louise Cansot, das 1949 im Alter von 29 Jahren getötet wurde.
