Berlin/Köln (dpa/tmn) –
Bei einer neuen Abgasnorm denkt man als Autofahrer vor allem an Auspuff, Stickoxide und Feinstaub. Doch die neue EU-Norm Euro 7 nimmt viel mehr ins Visier: Denn erstmals geht es auch um den Abrieb von Bremsen und Reifen. Und sogar Autos ganz ohne Auspuff sind dabei: Für E-Autos macht Euro 7 unter anderem Vorgaben zur Haltbarkeit der Batterie.
Was ist Euro 7 überhaupt?
Wer bei der neuen Norm deutlich höhere klassische Abgasgrenzwerte erwartet, wird überrascht sein, denn für Pkws bleiben die Werte laut Katrin van Randenborgh vom ADAC weitgehend auf dem Niveau von Euro 6: «Euro 7 ist bei Pkw weniger ein großer Sprung bei den Abgasgrenzwerten als eine deutliche Ausweitung der Anforderungen.»
Verschärft wird aber unter anderem die Partikelmessung. Laut Umweltbundesamt (UBA) werden künftig auch kleinere Partikel erfasst: Der Messbereich wird von 23 auf 10 Nanometer erweitert. Der eigentliche Grenzwert aber bleibt auf dem Stand der aktuellen Euro-6-Stufe.
Zudem müssen Hersteller die Einhaltung der Emissionswerte bis zu 160.000 Kilometer oder acht Jahre nachweisen.
Euro 7 enthält zudem Vorgaben für die zusätzliche Lebensdauer von bis zu zehn Jahren bzw. 200.000 Kilometern.
Nicht zu verwechseln ist Euro 7 übrigens mit den CO2-Flottengrenzwerten der EU. «Die Euro-7-Norm regelt vor allem Luftschadstoffe und Partikel, nicht den CO2-Ausstoß einer Fahrzeugflotte», sagt Philipp Mathey vom Automobil-Club Verkehr (ACV).
Jetzt geht es auch um Bremsen, Reifen und Batterien
Die für alle Autofahrer wohl interessanteste Neuerung: «Mit Euro 7 rücken erstmals auch Emissionen in den Fokus, die nicht aus dem Auspuff stammen», sagt van Randenborgh. Gemeint sind Partikel aus Bremsen- und Reifenabrieb.
Die entstehen bei jedem Auto – egal ob Benziner, Diesel oder E-Auto. Bei den Bremsen werde die freigesetzte Partikelmasse auf dem Prüfstand untersucht und bei den Reifen der Abrieb im praktischen Betrieb. Für neue Pkw-Reifen gelten die neuen Abriebgrenzwerte dann ab dem 1. Juli 2028, so der ADAC.
Für E-Autos gibt es außerdem erstmals verbindliche Vorgaben zur Batteriehaltbarkeit: Nach fünf Jahren oder 100.000 Kilometern muss die Batterie noch mindestens 80 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität haben, nach acht Jahren oder 160.000 Kilometern mindestens 72 Prozent.
«Diese Vorgaben können den Verbraucherschutz stärken, weil die Alterungsbeständigkeit der Batterie erstmals europaweit Bestandteil der Typgenehmigung wird», sagt Philipp Mathey.
Muss ich mein Auto jetzt nachrüsten?
Nein. Wer bereits ein Auto besitzt, muss wegen Euro 7 nichts tun. Die Norm gilt ausschließlich für neu typgenehmigte beziehungsweise neu zugelassene Fahrzeuge. Bereits zugelassene Autos mit Euro 5, Euro 6 oder älter müssen nicht nachgerüstet werden. Auch neue Fahrverbote für Bestandsfahrzeuge ergeben sich aus Euro 7 nicht.
Ein vorhandenes Auto allein wegen der neuen Norm vorzeitig auszutauschen, ist also nicht nötig. Es gibt weder eine Nachrüstpflicht noch neue Fahrverbote für Bestandsfahrzeuge, erklärt Katrin van Randenborgh.
Ab wann gilt Euro 7 für Neuwagen?
Hier gibt es zwei Termine: Dem ACV zufolge müssen ab dem 29. November 2026 zunächst neu typgenehmigte Pkw-Modelle Euro 7 erfüllen. Gemeint sind damit neu entwickelte Fahrzeugmodelle, die erstmals eine offizielle Betriebserlaubnis erhalten. Bereits typgenehmigte Modellreihen wie etwa der VW Golf können zunächst weiterhin als Neuwagen zugelassen werden.
Ein Jahr später ab dem 29. November 2027 gilt die Norm dann grundsätzlich für alle Pkw, die erstmals zugelassen werden.
Werden Neuwagen durch Euro 7 teurer?
Möglich ist das – wie stark, lässt sich derzeit aber nicht seriös sagen. Die Hersteller argumentieren in solchen Fällen dann gerne mit zusätzlichen technischen Anforderungen, Prüfungen und Entwicklungen, die Kosten verursachen.
Der ADAC verweist zugleich darauf, dass Neuwagenpreise ohnehin gestiegen sind und das Angebot bei Kleinwagen seit Jahren schrumpft. Welchen zusätzlichen Anteil Euro 7 daran haben wird, lasse sich aktuell nicht bewerten.
Auch Philipp Mathey vom ACV hält Aussagen über einen pauschalen Euro-7-Aufschlag derzeit für verfrüht. Mögliche Mehrkosten können je nach Modell und technischem Anpassungsbedarf unterscheiden. Gerade bei Kleinwagen und preisgünstigen Modellen müssten die möglichen Auswirkungen auf die Fahrzeugpreise aber im Blick behalten werden.
Mehr Durchblick beim Autokauf
Euro 7 soll Autofahrern außerdem mehr Informationen liefern. Dazu gehört laut ADAC ein digitaler Umweltpass, der beim Fahrzeugkauf bereitgestellt und beispielsweise per QR-Code abrufbar sein kann. Darin sollen unter anderem Angaben zu Schadstoff- und CO2-Emissionen, Kraftstoff- oder Stromverbrauch, elektrischer Reichweite und Batteriehaltbarkeit zu finden sein.
Auch während der Nutzung sollen Fahrzeughalter über den Pass Zugang zu aktuellen Informationen etwa über Verbrauch und Alterungszustand der Batterie erhalten. Gerade beim Kauf eines gebrauchten E-Autos könnte das interessant werden. Zusätzliche Informationen sollen helfen, den Zustand des Akkus besser einzuschätzen. Bislang sei die Batterie für Kunden häufig eine «Blackbox», sagt Katrin van Randenborgh.
Und was heißt das nun für Autofahrer?
- Wer bereits ein Auto besitzt, kann Euro 7 gelassen entgegensehen.
- Nachrüsten muss niemand.
- Beim nächsten Neuwagen kommen dagegen schrittweise neue Vorgaben für Partikel sowie Bremsen- und Reifenabrieb hinzu.
- Bei E-Autos auch für die Batteriehaltbarkeit.
- Gleichzeitig sollen Käufer mehr Informationen über ihr Fahrzeug bekommen.
