Berlin (dpa/tmn) –
Eine größere Streuung bei geringeren Kosten gemessen an vergleichbaren ETFs – das verspricht ein neuer Welt-ETF, den Anbieter Vanguard kürzlich in einer reinvestierenden und einer ausschüttenden Variante aufgelegt hat.
Bei den Anlegern kommt der Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF offensichtlich an: Innerhalb weniger Wochen hat die reinvestierende (thesaurierende) Variante mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar an Anlegergeldern eingesammelt. Doch was bringt der neue Indexfonds wirklich? Die Stiftung Warentest ist der Sache auf den Grund gegangen.
Index ist noch einmal viel breiter aufgestellt
Der Unterschied des Vanguard FTSE Global All-Cap ETF zu anderen weltweit streuenden ETFs: Er bezieht sich auf einen Index, der mehr als 10.000 Aktien großer, mittlerer und kleiner Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern beinhaltet, gewichtet nach ihrem Börsenwert. Das sind deutlich mehr als zum Beispiel bei den populären Indizes FTSE All-World mit seinen rund 4.300 Titeln und dem MSCI World mit rund 1.300 Titeln, der sich auf große und mittlere Unternehmen in Industrieländern beschränkt.
Damit ist die Streuung des neuen ETF deutlich größer, was am Kapitalmarkt einer Risikominimierung gleichkommt. Zudem punktet der ETF mit laufenden Kosten von nur 0,07 Prozent pro Jahr, was im Vergleich zu anderen Welt-ETFs, die mit bis zu 0,3 Prozent laufenden Kosten zu Buche schlagen, sehr günstig ist.
Marktvorteile schwächen sich mit jedem weiteren Titel ab
Die meisten Anlegerinnen und Anleger überschätzen aber, was die zusätzlichen Aktien des Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF tatsächlich für die Kapitalmarktabdeckung bedeuten, schreibt die Stiftung Warentest. Schon der deutlich kleinere MSCI World deckt nach Berechnungen der Tester etwa 78 Prozent des Marktes ab, beim FTSE All-World mit seinen 4.300 Titeln sind es mehr als 90 Prozent. Mit jedem weiteren Titel im Index steigt die Kapitalmarktabdeckung zwar weiter an – der Einfluss verringert sich aber zusehends. So kommt der FTSE Global All-Cap mit seinen mehr als doppelt so vielen Titeln auf etwas mehr als 99 Prozent Marktabdeckung.
Vom häufig kritisierten, hohen US-Anteil im MSCI World (rund 73 Prozent) etwa weicht der FTSE All-Cap ein wenig ab. Sein US-Anteil liegt bei «nur» rund 62 Prozent. Auf diesen Wert kommt in etwa aber auch bereits der FTSE All-World.
Die Aufnahme vieler ganz kleiner Aktien hat der Stiftung Warentest zufolge übrigens auch einen Nachteil: Sie sind in der Regel weniger liquide als große, was zu Problemen oder Preisnachteilen beim Verkauf von Anteilen führen kann. Dass der ETF aber überhaupt mal den Index mit seinen mehr als 10.000 Aktien vollständig nachbildet, gilt als unwahrscheinlich. Ende August enthielt er lediglich rund 6.400 Titel. Bei Indizes mit so vielen Titel gilt die näherungsweise Abbildung als vorteilhafter, weil die Kosten der vollständigen Replikation die zusätzlichen Streuungsvorteile übersteigen dürften.
Umschichtung nicht unbedingt die beste Option
Die Stiftung Warentest hält den neuen Vanguard ETF trotzdem für eine gute Alternative für Anleger, die Schwellenländer und kleine Aktien in ihrem Portfolio haben wollen. Wer aber bereits Welt-ETF-Anteile besitzt, muss deswegen nicht unbedingt umschichten. Die Steuerabzüge, die den Gewinn beim Verkauf von Anteilen unmittelbar um rund ein Viertel schmälern würden, fehlen nachher beim Zinseszinseffekt – dieser Nachteil wiege bei langem Anlagehorizont meist schwerer als der Vorteil einer minimal breiteren Streuung oder geringerer Kosten.
Stattdessen besser: Die alten Anteile im Depot belassen, aber den Sparplan für zukünftige Investitionen zugunsten des Global All-Cap ETF anpassen.
