Köln (dpa/tmn) –
Immer wieder beschweren sich Betriebe, dass Azubis nicht leistungsfähig sind – oder dass sie erst gar keine Azubis finden. Schuld daran ist aus Sicht der Älteren gern eine ganze Generation. Oft gelten junge Menschen heute als unzuverlässig und wenig belastbar. Azubis dagegen begründen ihre Selbstfürsorge und das Schonen ihrer Ressourcen oft mit Achtsamkeit. Wie kommen Azubis und Ausbilder hier besser zusammen?
Felicia Ullrich, Expertin für Azubi-Recruiting und Ausbildung vom Testdienstleister U-Form, wirbt für Verständnis auf beiden Seiten – denn Azubis bewerten ihrer Erfahrung nach viele Attribute anders als ihre Ausbilder. Hinter «Zuverlässigkeit» sehen die zum Beispiel in erster Linie: Pünktlichkeit. Azubis würden sich nicht auf Basis von Pünktlichkeit zuverlässig nennen – sondern eher abhängig davon, ob sie die geforderte Arbeit erledigen oder nicht.
Ähnlich sehe es bei der psychischen Belastbarkeit aus. «Azubis gehen heute oft nicht mehr über ihre Grenzen, sie achten auf ihre Gesundheit und gehen transparenter mit ihren Emotionen um», sagt Ullrich. Manche Ausbilder nehmen aber vor allem wahr: Der Azubi meldet sich krank und weint bei Stress oder Druck.
Wie gelingt ein besseres gegenseitiges Verständnis?
Was können Azubis und Ausbildungsbetriebe tun, um auf einen Nenner zu kommen? «Zum Beispiel Feedback von Anfang an als regelmäßigen Prozess etablieren», so Ullrich. Bekommt der Azubi alle zwei bis vier Wochen ein Feedback, kommt es nicht nach Monaten zu einer bösen Überraschung.
Im Rahmen dieses Feedbacks könnten Azubis und Ausbilder sich auch über Bedürfnisse austauschen. Also: Was ist den Azubis besonders wichtig und wie könnte man besser auf ihre Bedürfnisse eingehen? «Viele Azubis wünschen sich zum Beispiel die Möglichkeit zum Homeoffice, flexible Arbeitszeiten und mehr Verständnis seitens des Ausbilders», so Ullrich. Und andererseits könnte der Ausbilder aber auch darlegen, warum Pünktlichkeit nicht verhandelbar ist.
