Erfurt (dpa) –
Inmitten eines heftigen Machtkampfs hat die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) ihre für diesen Samstag geplante außerordentliche Verbandsversammlung kurzfristig verschoben. Nach Angaben des Präsidiums soll sie nun am 13. Februar 2027 stattfinden. Hintergrund seien ausstehende Entscheidungen der Fördermittelgeber zur geplanten Strukturreform sowie ein Rechtsstreit mit dem Thüringer Eis- und Rollsport-Verband (Terv), hieß es.
«Eine Verbandsversammlung ist keine Bühne für persönliche Konflikte, juristische Scharmützel oder verbandspolitische Machtkämpfe. Sie ist das oberste Forum unserer Mitglieder, um gemeinsam über die Zukunft unseres Sports zu beraten», erklärte die umstrittene DESG-Führung in einem Schreiben.
Opposition schaltet Gericht ein
Der Terv hatte kürzlich eine Abwahl der Verbandsführung um den umstrittenen DESG-Präsidenten Matthias Große beantragt und am 13. Oktober ein eigenes Kandidatenteam vorgestellt. Das DESG-Präsidium begründete die Verschiebung unter anderem mit dem gerichtlichen Vorgehen des Landesverbands gegen die Durchführung der Versammlung. Eine abschließende Entscheidung stehe noch aus.
Terv-Präsident Michael Schneider sagte der Deutschen Presse-Agentur, er habe mit einer Absage gerechnet und sei nicht völlig überrascht. Zugleich reagierte er nach eigener Aussage «mit Kopfschütteln» auf die Nachricht. «Ich bin sauer. Hier geht es nicht um persönliche Befindlichkeiten oder Eitelkeiten, sondern um unsere Sportler, die sich zum Teil psychischer Gewalt ausgesetzt sehen». In Richtung des DESG-Präsidenten sagte Schneider: «Da hat jemand große, große Angst.»
Die DESG kritisierte, dass der Terv den amtierenden Vizepräsidenten Shorttrack, Christoph Zepernick, ohne dessen Zustimmung als Mitglied des Kandidatenteams benannt habe. Dies sei «ein schwerwiegender Vorgang, der mit einem respektvollen und vertrauensvollen Umgang innerhalb unseres Verbandes nicht vereinbar ist», hieß es weiter.
Staatsminister fordert schnelle Konfliktlösung
Das Präsidium wies zudem die Behauptung zurück, der Stützpunkt Erfurt solle geschlossen werden. Das «entspricht nicht der Zielsetzung der DESG und trägt nach unserer Auffassung zur unnötigen Verunsicherung von Athletinnen und Athleten, Trainern und Vereinen bei».
Der Terv wirft der DESG-Führung indes unter anderem vor, Beschlüsse der Verbandsversammlung zu ignorieren und Sportler respektlos zu behandeln. Auch mehrere Athleten hatten mehrfach ihre Kritik an Entscheidungen der DESG-Spitze öffentlich gemacht. Eine Athletenvereinbarung unterschrieben die in Thüringen trainierenden Sportlerinnen und Sportler nur unter Protest. Jungstar Finn Sonnekalb drohte sogar mit einem Wechsel ins Ausland.
«Ich erwarte von der DESG, dass mit den Athletinnen und Athleten anständig und respektvoll umgegangen wird. Wenn Sportler Vereinbarungen nur unter Protest unterschreiben und junge Talente über einen Wechsel ins Ausland nachdenken, dann läuft etwas grundlegend schief», erklärte Thüringens Sportminister Stefan Gruhner (CDU).
Ronald Rauhe, Staatsminister für Ehrenamt und Sport, appellierte an den Spitzenverband und die Landesverbände, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. «Ich sehe hier ganz klar den autonomen Sport gefordert», sagte er der Deutschen Presse-Agentur unmittelbar vor der Absage der Verbandsversammlung. Zugleich kündigte Rauhe an, zeitnah über die Anerkennung der Bundesstützpunkte zu entscheiden und die DESG mit Blick auf die Einhaltung der Fördervoraussetzungen weiter eng zu beobachten und zu begleiten.
