Berlin/Bremen (dpa/tmn) –
Angenommen, jemand möchte in eine andere Stadt umziehen und sucht dort eine Immobilie. Schnell findet sich ein ansehnliches Objekt. Jetzt gilt: Schnell kaufen, sonst macht es ein anderer. Doch was, wenn das Haus mit dem Erlös aus dem Verkauf der bisherigen Immobilie finanziert werden soll und dieses Geld noch nicht zur Verfügung steht? In solchen Fällen kann ein Überbrückungskredit sinnvoll sein. Und diese 7 Punkte sind dabei wichtig.
Punkt 1: Das ist ein Überbrückungskredit
Ein Überbrückungskredit wird häufig auch als Zwischenfinanzierung bezeichnet. «Hierbei handelt es sich um ein kurzfristiges Darlehen, das eine vorübergehende Finanzierungslücke schließen soll», sagt Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Bremen.
Ein Überbrückungskredit komme in der Regel beim Immobilienkauf zum Einsatz, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher eine neue Immobilie erwerben möchten, der Verkaufserlös der bisherigen Immobilie aber noch nicht verfügbar ist. «Der Kredit überbrückt diesen Zeitraum bis zum erwarteten Zahlungseingang», so Mai.
Bausparerinnen und Bausparer kennen die Situation, wenn ihr Bausparvertrag noch nicht zuteilungsreif ist. Dann dient der Überbrückungskredit so lange als Zwischenkredit, bis das Bauspardarlehen bereitsteht.
Punkt 2: Für welchen Zeitraum Überbrückungskredite ausgelegt sind
In der Regel beträgt die Laufzeit eines Überbrückungskredits wenige Monate bis maximal ein bis zwei Jahre. «Entscheidend ist, dass das Ende der finanziellen Übergangsphase absehbar ist», sagt Jörg Buschan, Syndikusrechtsanwalt und Experte für Kreditrecht beim Bundesverband deutscher Banken mit Sitz in Berlin.
Oft gibt es laut Verbraucherschützer Mai einen Überbrückungskredit nur mit variablen Zinssätzen, die je nach Marktlage schwanken. «Eventuell macht die Bank die Auflage, dass der Kreditnehmer später auch das langfristige Immobiliendarlehen bei ihr abschließt», so Mai. Ihm zufolge gilt: Je kürzer die Laufzeit, desto besser kalkulierbar sind die Kosten.
Punkt 3: So sinnvoll ist ein Überbrückungskredit
«Ein Überbrückungskredit kann sinnvoll sein, wenn vorübergehend Geld benötigt wird, aber in absehbarer Zeit finanzielle Mittel zufließen», sagt Buschan. Er helfe also dabei, eine finanzielle Übergangsphase abzufedern.
Klar muss aus Sicht von Mai aber auch sein: «Ein Überbrückungskredit ist ungeeignet, um fehlendes Eigenkapital zu ersetzen oder eine grundsätzlich zu knappe Finanzierung schönzurechnen», so der Verbraucherschützer.
Punkt 4: Diese Vorteile hat ein Überbrückungskredit
Schnelle Liquidität und kurzfristige Verfügbarkeit – das spricht für einen Überbrückungskredit. Und: Wer ein solches Darlehen aufgenommen hat, kann die Summe vor Ablauf der vereinbarten Zeit oft komplett ablösen. «Manche Banken verlangen dafür keine Vorfälligkeitsentschädigung», sagt Mai. Damit kann sich ein Überbrückungskredit von anderen Darlehen unterscheiden, bei denen eine Gebühr fällig wird, wenn Kreditnehmende das Geld vorzeitig als Sondertilgung zurückzahlen.
Ein weiterer Vorteil: Die bisherige Immobilie müssen Kreditnehmende nicht unter Zeitdruck verkaufen. «Es besteht also eine gewisse Planungsfreiheit und -sicherheit», sagt Mai.
Punkt 5: Das sind die Kosten eines Überbrückungskredits
«Die Kosten eines Überbrückungskredits hängen von mehreren Faktoren ab, vor allem von Kredithöhe, Laufzeit und Bonität», so Buschan. Auch die persönliche Bonität spielt eine Rolle. Das bedeutet, dass Kreditnehmende unterschiedliche Zinsen bekommen. «Ihre genaue Höhe hängt im Einzelfall etwa von der Bewertung der Schufa und vom Gehalt ab», so Mai.
Punkt 6: Diese Nachteile hat ein Überbrückungskredit
Die Zinsen eines Überbrückungskredits liegen laut Mai meist höher als bei langfristigen Krediten, da es sich um eine kurzfristige Finanzierung handelt. Mitunter zahlen Kreditnehmende auch erst einmal nur Zinsen, ohne zu tilgen.
Punkt 7: Wo beim Überbrückungskredit Fallen lauern
Eine große Gefahr sieht Mai darin, dass Verbraucherinnen und Verbraucher den Verkaufserlös ihrer bisherigen Immobilie zu optimistisch einschätzen. «Wird ein bestimmter Verkaufspreis erwartet, tatsächlich aber ein geringerer Erlös erzielt, kann eine noch größere Finanzierungslücke entstehen», so der Verbraucherschützer.
Ihm zufolge sind auch Verzögerungen beim Verkauf nicht ungewöhnlich. Steht das erwartete Geld später zur Verfügung als geplant, verlängert sich die Laufzeit des Überbrückungskredits und damit auch die Zinsbelastung.
Ein weiterer Aspekt: Während der Übergangsphase fallen häufig doppelte Kosten an. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen möglicherweise gleichzeitig die Finanzierung der alten und der neuen Immobilie stemmen sowie laufende Nebenkosten, Versicherungen oder Instandhaltungsausgaben tragen. «Wer die eigene finanzielle Belastbarkeit zu knapp kalkuliert, kann dadurch schnell unter Druck geraten», sagt Thomas Mai.
