Wirtschaft

IW: US-Zwischenwahlen dürften Trumps Zollkurs kaum verändern

Frankfurt/Main (dpa) –

Die anstehenden Zwischenwahlen in den USA dürften nach Einschätzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) kaum Erleichterung bei der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump bringen. «Deutsche Unternehmen sollten damit rechnen, dass die Richtung der Wirtschafts- und Zollpolitik mindestens bis Januar 2029 bestehen bleibt», schreibt das IW in einer Studie mit Blick auf das reguläre Ende der Amtszeit von Trump.

Eine oppositionelle Mehrheit im US-Kongress nach den «Midterms» wäre voraussichtlich zu knapp, um ein Veto des Präsidenten zu überstimmen. «Die USA bleiben für Deutschland und die EU ein wichtiger Handelspartner. Die Unsicherheit wird jedoch auch nach den Zwischenwahlen anhalten», sagt IW-Außenhandelsexpertin Samina Sultan.

Advertisement

Bilanz für Trumps Kurs fällt mager aus

Die Bilanz von Trumps Zollpolitik nach fast zwei Jahren im Amt falle ernüchternd aus, bilanziert das IW. «Seine zentralen wirtschaftspolitischen Versprechen bleiben unerfüllt.»

So sei es Trump nicht gelungen, das US-Warenhandelsdefizit dauerhaft zu verkleinern. Im August 2026 lag dieses laut IW bei 130 Milliarden Dollar – etwa 35 Milliarden mehr als im August 2024. Der EU-Anteil sank demnach von 20 auf sieben Prozent. Das liege aber vor allem daran, dass die USA mehr Waren, besonders Energie, in die EU exportierten. Das hohe Handelsdefizit der USA mit Deutschland sank etwas: Im August 2026 lag es bei 5,8 Milliarden Dollar – nach 6,6 Milliarden zwei Jahre zuvor. 

Weniger Investitionen, höhere Schulden

Auch ausländische Firmen investierten laut IW weniger in den USA. Die Direktinvestitionen dort beliefen sich 2025 auf 248 Milliarden Dollar, 8,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Zwar wachse die US-Wirtschaft robust. Doch es entstünden weniger neue Jobs als unter der Vorgängerregierung, und die Investitionen konzentrierten sich stark auf KI. 

Advertisement

Dazu kommen die durch den Iran-Krieg gestiegenen Lebenshaltungskosten und nach oben geschossenen US-Staatsschulden. Letztere überschritten erstmals 40 Billionen US-Dollar – mehr als 120 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Republikaner in Umfragen unter Druck

Trump überzieht seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 viele Länder mit Zöllen. Mit der EU einigte sich Washington auf ein Handelsabkommen, das für die USA vorteilhaft ausfällt und auf die meisten Importe aus Europa eine Zollobergrenze von 15 Prozent festlegt.

Advertisement

Bei den US-Kongresswahlen am Dienstag (3. November) werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Senatsposten neu gewählt. Umfragen zufolge könnten die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus erobern, während sich im Senat kein klares Bild abzeichnet.

Doch selbst wenn die Demokraten in einer oder gar in beiden Kammern künftig die Mehrheit bilden sollten, müsste ein Veto von Trump von zwei Dritteln der stimmberechtigten Volksvertreter in beiden Kammern überstimmt werden – das ist in der Praxis äußerst schwer zu erreichen.

Advertisement