Sölden (dpa) –
Emma Aicher konnte es selbst kaum glauben. «Sehr überraschend» fand sie es, dass sie zum Auftakt der alpinen Ski-Saison direkt auf das Podest gerast ist. «Damit hätte ich gar nicht gerechnet.» Im bislang wenig geliebten Riesenslalom. Auf dem wenig geliebten Rettenbachferner.
Mit dem starken dritten Platz in Sölden hat das deutsche Alpin-Juwel auch im neuen Winter gleich wieder ein Ausrufezeichen gesetzt – und die Jagd auf den Gesamtweltcup eröffnet. Ihren ersten Weltcup-Sieg holte sich die Amerikanerin Paula Moltzan. US-Star Mikaela Shiffrin musste sich mit Rang sieben begnügen.
Aicher arbeitet sich im Finale vor
Es sei «cool zu fahren» gewesen, sagte Aicher nach dem zweiten Durchgang, in dem sie sich von Rang neun noch auf ihr erstes Riesenslalom-Podium der Karriere vorgearbeitet hatte. Nachdem sie die Ziellinie passiert hatte, jubelte sie ausgelassen. Weil ihre Zeit grün aufleuchtete und sie wusste, dass sie zumindest schon mal nicht mehr zurückfallen würde, erklärte sie hinterher. Daran, dass es noch für das Treppchen reichen könnte, habe sie nicht geglaubt.
Doch es reichte – auch, weil die zur Halbzeit in Führung liegende Shiffrin mit den schwieriger werdenden Bedingungen Probleme hatte. Die amerikanische Ausnahmeathletin verpasste ihren 111. Weltcup-Sieg. Vor diesem Winter hatte sie angekündigt, weniger Rennen in ihrer Paradedisziplin Slalom zu bestreiten und ihren Fokus auf den Riesenslalom und den Super-G zu richten. Eine «Saison der Erkundung» nannte sie es. Die begann nun mit einem kleinen Dämpfer.
«Drumherum war mir wurscht»
Aicher indes ließ sich von all den hohen Erwartungen, mit denen sie in den Tagen vor dem Weltcup-Auftakt konfrontiert wurde, nicht aus der Ruhe bringen. Nach ihrer famosen Vorsaison, in der sie unter anderem zwei olympische Silbermedaillen und drei Weltcup-Erfolge eingefahren hat, gilt sie für viele als Favoritin auf den Gesamtsieg. Als erste Herausforderin von Shiffrin, die die große Kristallkugel immerhin schon sechsmal gewonnen hat.
Viel Druck für die 22-Jährige. Doch die blieb – bei Temperaturen um den Gefrierpunkt – auch diesmal eiskalt. «Das Drumherum war mir wurscht», sagte sie. In allen vier Disziplinen hat es Aicher im Weltcup nun auf das Podest geschafft. Im Riesenslalom war ihr bislang bestes Karriereresultat der vierte Rang in Are im vergangenen März, in Sölden belegte sie letztes Jahr Platz 28.
Die Allrounderin scheint in ihrer Entwicklung nicht aufzuhalten. Und in dieser Saison – mit der WM in Crans-Montana in der Schweiz im Februar als Höhepunkt – tatsächlich alles möglich.
Vorjahressiegerin Scheib stürzt
Aichers Teamkollegin Lena Dürr fuhr auf Platz 22. Kira Weidle-Winkelmann, deren Stärken in den Speed-Disziplinen liegen und die den Riesenslalom nach und nach als weitere Disziplin aufbauen will, belegte in Tirol Rang 26.
Die Österreicherin Julia Scheib, Vorjahressiegerin und beste Riesentorläuferin des vergangenen Winters, schied nach einem Sturz aus. Aicher sei eine «coole Socke», hatte Scheib vor dem Rennen gesagt. Und wurde darin bestätigt.
