Vermischtes

Wann, wie, wo? So kommt der Nachwuchs in Hausaufgabenlaune

Bühl (dpa/tmn) –

Geht es um das Thema Hausaufgaben, haben nicht nur Lehrkräfte, Psychologen und Schüler die unterschiedlichsten Ansichten, sondern auch die Eltern. «Die Extreme reichen von „Ich helfe dir nicht und tschüss“ bis dahin, dass die Eltern die Aufgaben für ihre Kinder gleich selbst machen», sagt Bob Blume. Er ist Gymnasiallehrer im badischen Bühl, Bildungsinfluencer und Autor des Buches «Wie kommt mein Kind gut durch die Schule?»

Bob Blume, der selbst Vater ist, kann es zwar nachvollziehen, wenn Lehrkräfte sagen, dass Eltern die Hausaufgaben noch nicht einmal überprüfen sollten. Aber wenn das Kind ein kleines Feedback möchte, sei es auch sinnvoll, eines zu geben, sagt der Gymnasiallehrer im Hausaufgaben-Interview. Und er verrät, ob es wirklich immer der Schreibtisch für die Hausaufgaben sein muss, ob man mit den schwersten Aufgaben beginnen sollte – und was Eltern machen können, wenn mal gar nichts klappen will.

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Herr Blume, braucht es feste Regeln für die Hausaufgaben?

Bob Blume: Viele sagen, dass es am besten ist, die Hausaufgaben direkt nach der Schule zu machen. Nun ist es aber so, dass viele Schüler und Schülerinnen da vielleicht total kaputt sind und erst einmal eine Pause brauchen. Das ist also sehr individuell.

Das nächste Ding ist der Ort, wo die Hausaufgaben gemacht werden sollen. Da mögen jetzt viele ausrufen: «Na, der Schreibtisch, wo sonst?» Auch hier ist es sinnvoll, mal zu überlegen: Ist das tatsächlich der beste Ort? Oder ist nicht zum Beispiel der Esstisch der bessere, während Mama oder Papa in der Nähe sind und was anderes machen? Ich glaube, da gibt es viele Punkte, über die man nachdenken kann, damit die Hausaufgaben eben nicht sofort in so eine Konfliktsituation geraten. 

Wie finde ich heraus, wann die beste Zeit und wo der bessere Ort für mein Kind ist?

Bob Blume: Durch Ausprobieren. Und indem man mit dem Kind auch darüber spricht, was am besten funktioniert. Man kann zum Beispiel ausprobieren, ob es nicht vielleicht auch Aufgaben gibt, die ausnahmsweise mal auf der Couch gemacht werden können – mit einer Schreibunterlage. 

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Es muss also nicht immer nur der Schreibtisch sein. Und so findet man dann nach und nach den Dreh heraus, was für das Kind am besten funktioniert.

«Komm, mach erst mal das, was am schwierigsten ist, dann hast du das hinter dir!»: Gilt noch, was einem die eigenen Eltern beigebracht haben?

Bob Blume: Wir gehen meist automatisch davon aus, dass das, was bei uns geklappt hat, für das Kind auch das Beste ist. Jetzt gibt’s aber auch Menschen, bei denen funktionieren Aufgaben besser nach dem Prinzip zuerst das zu erledigen, was vermeintlich leichter ist anstatt «Eat the frog first», also erst mal den Frosch zu schlucken und das zu machen, was schwierig ist.

Warum nicht mit der Aufgabe beginnen, die besonders viel Spaß macht? Dann hat man schon mal was hinter sich gebracht, wo man so eine Art Kompetenzerleben hatte und in den Flow kommt. 

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Oft wird auch gesagt, auf keinen Fall Musik anmachen bei den Hausaufgaben …

Bob Blume: … ja, weil der Mensch nicht multitaskingfähig sei. Auch das würde ich ausprobieren. Ich habe zum Beispiel immer Musik an, wenn ich am Schreiben bin. Die blende ich dann zwar aus, aber die bringt mich immer in so eine Schreiblaune. Und auch ein Schulkind kann Musik eben in eine Hausaufgabenlaune bringen. Das heißt jetzt natürlich nicht volle Lautstärke aufdrehen oder irgendein Hörspiel hören. Aber das ist auch etwas, was man auf jeden Fall ausprobieren kann. 

Und was ich auch immer wichtig finde, gerade wenn es mehr wird, so Richtung weiterführende Schule: auch wirklich Pausen einplanen. Und Pause heißt nicht einfach nur ausatmen und was essen und trinken, bevor man lernt, sondern auch mal kurz rausgehen und den Blick eben von den Hausaufgaben abwenden. Also wirklich ganz aktiv mal etwas anderes machen.

Man ist nicht jeden Tag gleich drauf. Wie reagieren Eltern, wenn mal gar nichts bei den Hausaufgaben funktioniert?

Bob Blume: Dann sollten sie nicht den Fehler machen, noch extra Druck auszuüben. Das wäre grundfalsch, weil das Kind nachhaltig Lust haben sollte zu lernen. Was es auf keinen Fall lernen sollte: Wenn ich was nicht sofort schaffe, dann kriege ich massiv Stress!

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Deshalb wäre mein Tipp, wenn es gar nicht mehr geht: Dann kann man auch eine Mail an die Lehrerin schreiben und einfach sagen «Also liebe Frau Müller, wir haben uns hier wirklich Mühe gegeben, aber in dem Fall haben wir es leider nicht geschafft.» 

Da kann man natürlich nur auf Verständnis hoffen. Mir ist dabei schon klar, dass es immer noch Lehrkräfte gibt, die mit irgendwelchen Strichen arbeiten. Davon bin ich kein Fan. Aber gerade in der Anfangszeit von Schulkindern ist das mal in Ordnung. Da sollte man nicht den Fehler machen und immer davon reden, dass jetzt der Ernst des Lebens beginnt und alles ganz schlimm wird. 

Mir gefällt besser die Einstellung: Ey, das ist super. Also, Lernen macht doch total viel Spaß und ich unterstütze dich dabei. Und wenn es mal irgendwann nicht weitergeht, na dann ist das auch okay.