Augsburg (dpa) –
Der frühere Nationalspieler Stefan Effenberg sieht trotz der Euphorie um den neuen Bundestrainer Jürgen Klopp die deutsche Fußball-Nationalmannschaft vor einer harten Zukunft. «Allen, die etwas anderes erhofft hatten, muss ich nun leider sagen: Willkommen in der Realität. Und diese Realität kann jetzt endgültig niemand mehr verleugnen oder schönreden: Deutschland ist keine Spitzennation mehr, sondern nur noch Mitläufer im Weltfußball», schrieb Effenberg in einer Kolumne für «t-online.de».
So wie das deutsche Team am Sonntagabend beim 0:1 gegen Griechenland in der Nations League gespielt habe, habe es auch nicht mehr verdient, als «nur noch als Mittelmaß wahrgenommen zu werden». Auch Klopp (59) nahm Effenberg in seiner Kritik nicht aus. Dass die Griechen tief stehen würden, sei keine Überraschung gewesen. «Sowohl die deutsche Mannschaft als auch Klopp und sein Trainerteam müssen sich vorwerfen lassen, dass sie nun gegen diese altbekannte Spielweise kein Rezept hatten, keine Lösung gefunden haben.»
Schon das 1:1 beim Klopp-Debüt am vergangenen Donnerstag gegen die Niederlande sei ein glücklicher Punkt gewesen. Natürlich könne man nicht erwarten, dass nach nur kurzer Vorbereitung die DFB-Elf nun «Zauberfußball» vorführe. Dennoch zeigte sich Effenberg angesichts der Leistungen alarmiert. «Gerade das zweite Spiel aber erinnerte an viele Auftritte unter Klopps Vorgängern in den vergangenen Jahren. Es war kein Fortschritt erkennbar, keine neue Spielidee. Und das muss – bei aller Perspektive – Sorgen machen», schrieb der 58-Jährige.
Klopp muss aufpassen
Klopp werde zwar von der Öffentlichkeit mehr verziehen als anderen Trainern. Aber an ihn würden auch größere Erwartungen gestellt. «Deshalb muss er jetzt aufpassen: Sollte in den nächsten Spielen weiter keine Besserung eintreten, wird sich der Ton auch ihm gegenüber schnell verschärfen», meinte Effenberg. Als Bundestrainer könne er nicht einfach einen neuen Spieler für 100 Millionen Euro holen wie als Vereinscoach. «Er muss mit dem arbeiten, was ihm die Vereine liefern. Das ist sein Dilemma.»
Dass Klopp mit seinem XXL-Kader von 44 Spielern vielen eine Chance geben will, ehre ihn. Aber bereits die erste Kader-Hälfte aus den bisherigen zwei Partien hätten auf «unangenehme Weise» gezeigt, dass ein personeller Umbruch zumindest mehr Zeit in Anspruch nehmen könnte, «als es viele wahrhaben wollen», schrieb Effenberg. «Die Qualität, die wir derzeit vorweisen können, ist von der Weltelite, von Spanien, England, Frankreich, Argentinien, weit entfernt.»
