Vermischtes

Jobwechsel in der Partnerschaft: Wie wird der Schritt fair?

Münster (dpa/tmn) –

Beruflicher Ehrgeiz beginnt meist als persönlicher Plan. Sobald gemeinsames Einkommen, Wohnort oder Kinderbetreuung betroffen sind, wird daraus jedoch eine Sache für zwei. Warum genau an dieser Stelle so viele Paare ins Stocken geraten und was es bedeutet, eine faire Lösung zu finden, erklärt die Psychologin und Paarberaterin Gesche Nietfeld.

Frau Nietfeld, ist eine berufliche Veränderung eine persönliche oder eine Paarentscheidung?

Gesche Nietfeld: Der Wunsch nach einer beruflichen Veränderung ist immer erst mal ein persönlicher. Das ist etwas Individuelles. Aus meiner Sicht muss sich auch niemand einen beruflichen Wunsch vom Partner genehmigen lassen.

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Allerdings ist es so: Sobald die Umsetzung gemeinsame Ressourcen beansprucht, sich Einkommen oder Wohnort verändern, die Kinderbetreuung angepasst werden muss, dann betrifft das natürlich beide. Dann ist eine Abstimmung auf jeden Fall notwendig.

Welche Probleme begegnen Ihnen, wenn es um berufliche Veränderungen in einer Partnerschaft geht?

Nietfeld: Typische Konflikte sind oft praktischer Natur. Wer übernimmt die Kinderbetreuung, wenn eine Person länger arbeitet? Was passiert mit dem gemeinsamen Einkommen, wenn jemand eine Weiterbildung beginnt oder sich selbstständig macht?

Dahinter liegt aber oft eine zweite Ebene. Wessen berufliche Entwicklung bekommt gerade Vorrang? Und wer hält hier den Alltag größtenteils am Laufen? Gerade diese unsichtbare Organisationsarbeit wird leicht übersehen.

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Deswegen rate ich immer dazu, nicht nur auf die Chancen einer beruflichen Veränderung zu schauen, sondern auch darauf, was letztendlich die Kosten und Risiken sind, unter zeitlichen, finanziellen, aber auch emotionalen Aspekten, die dann beide tragen.

Warum ist eine solche Entscheidung für Paare oft konfliktbehaftet?

Nietfeld: Berufliche Entscheidungen berühren immer mehrere psychologische Grundlagen. Auf der einen Seite stehen Autonomie und Entwicklung, auf der anderen Sicherheit und Verlässlichkeit.

Ein neuer Job kann für denjenigen, der diesen Veränderungswunsch hegt, bedeuten: «Ich kann endlich ich selbst sein. Das ist für mich ein total wichtiger Schritt.» Für die andere Person kann das aber heißen: «Unser bisheriges Leben verändert sich und wird in bestimmten Faktoren unsicher, zum Beispiel beim Einkommen oder beim Wohnort.»

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Dazu kommen Themen wie berufliche Identität, finanzielle Abhängigkeiten und Rollenbilder. Oft gibt es auch unausgesprochene Vereinbarungen, die seit Jahren bestehen, aber nie ganz transparent abgestimmt wurden. Wer darf Risiken eingehen, wer sorgt für Stabilität?

Konflikte sind oft festgefahren, wenn es nur noch um den Austausch von Positionen geht. Der eine sagt: «Ich möchte das jetzt machen», und der Partner sagt: «Das geht aber nicht.» Was hilft, ist zu schauen, welches Bedürfnis hinter den Wünschen und Sorgen steht. Hinter der Sorge um deutlich längere Arbeitszeiten steckt etwa oft die Frage: Bin ich dir und diesem gemeinsamen Leben dann eigentlich noch genauso wichtig?

Ein Austausch über Werte, Grenzen und Befürchtungen hilft, wenn er gut organisiert stattfindet. Wer solche Themen im Gespräch hält, geht oft auch gestärkt aus Phasen beruflichen Übergangs hervor.

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Was hilft Paaren herauszufinden, was eine berufliche Veränderung für sie bedeuten wird?

Nietfeld: Ich schlage vor, ganz praktisch durchzuspielen, wie in sechs Monaten ein gewöhnlicher Dienstag nach der Veränderung aussieht. Wer holt die Kinder ab, wer organisiert Termine, wer hat am Abend noch Energie für die Beziehung?

Dabei würde ich drei Punkte trennen. Was gewinne ich durch die berufliche Veränderung? Was verändert sich für meinen Partner oder meine Partnerin? Und was bedeutet das für uns zusammen? Das lässt sich gut auf Einkommen, Arbeitszeiten, Pendelwege, Haus- und Sorgearbeit und Erholung beziehen.

Hilfreich ist außerdem eine Bestandsaufnahme der aktuellen Routinen. Wie ist unser Familien- oder Paarleben mit dem Beruf organisiert? Und dann überlegen: Welche dieser Punkte würde die Veränderung tangieren?

Wichtig ist nicht zuletzt, sich bewusst zu machen, woran man in drei Monaten merken würde, ob die Annahmen realistisch waren. Dafür setzt man sich am besten einen festen Zeitpunkt, an dem man die Entscheidung überprüft. War sie tragfähig? Und wenn nicht, warum? Oft sind es kleine Schritte, die nachjustiert werden können.

Eine schnelle, faire Entscheidung ist dabei nicht unbedingt eine, bei der beide gleich begeistert sind. Sondern eine, bei der beide wissen, worauf sie sich einlassen.

Sollte eine Partnerschaft eine berufliche Veränderung immer ermöglichen?

Nietfeld: Es kann völlig legitim sein, als Partner oder Partnerin zu sagen: Ich verstehe, wie wichtig dir dieser Schritt ist, aber die finanziellen oder familiären Folgen kann ich nicht mittragen.

Dabei ist der Unterschied zwischen einer Grenze und einem Verbot wichtig. Wer sagt «Du darfst dich nicht verändern», greift in die Selbstbestimmung des anderen ein. Ein «Ich kann nicht dauerhaft allein die Verantwortung für Familie und Existenzsicherung übernehmen» ist eher eine Grenze, eine Rückmeldung an die Person.

Trotzdem kann es echte Zielkonflikte geben, für die es keinen Kompromiss gibt, mit dem beide gleichermaßen zufrieden sind. Das darf man anerkennen. Man kann dann sagen: «So, wie du es mir jetzt vorgeschlagen hast, wäre das für mich nicht tragfähig.» Und dann Alternativen besprechen. Eine Partnerschaft sollte Entwicklung ermöglichen, ohne dass sie dauerhaft zur Last oder auf Kosten des anderen geht.