Ljubljana (dpa) –
Diese Serie tut weh. Olympische Spiele 2024: Die deutsche Tischtennis-Nationalspielerin Nina Mittelham muss wegen einer Bandscheiben-Verletzung in der zweiten Runde aufgeben. Weltmeisterschaft 2025: Nur wenige Stunden vor dem ersten Einzel sagt der frühere Weltranglisten-Erste Dimitrij Ovtcharov seinen WM-Start ab. Der Grund ist ein Bandscheibenvorfall, der kurz danach sogar eine Operation an der Halswirbelsäule nötig macht.
An diesem Sonntag beginnt in Slowenien die EM 2026 und Europas beste Spielerin, Sabine Winter, möchte endlich auch zum ersten Mal Europameisterin im Einzel werden. Aber auch die Weltranglisten-Achte kämpft seit Juli mit den Folgen eines Bandscheiben-Problems. Ihr spektakulärer Aufstieg von der Reservistin im Nationalteam bis zur Nummer eins des Kontinents wurde dadurch etwas gebremst.
«Ich habe nicht die allerbesten Wochen hinter mir», sagt Winter. «Aber ich bin wieder voll im Training. Bei der EM werde ich um jeden Punkt fighten. Wenn am Ende eine Medaille herauskommt, ist das auch ein Erfolg. Der Traum ist noch etwas größer.»
Teamarzt setzt auf Prävention
Dennoch ist die Frage: Die explosiven Bewegungen, die Drehungen des Körpers – werden Rücken und Schultern beim Tischtennis besonders stark beansprucht?
Der deutsche Nationalmannschaftsarzt Thomas Garn sagt dazu: «Die Fälle kommen gerade gehäuft vor, sind aber eher Ausreißer von der Norm und haben keinen ersichtlichen Grund, der in der Sportart liegt.» Es sei nicht so, «dass man als Tischtennis-Profi zwangsläufig einen Bandscheibenvorfall bekommt, genauso wenig wie man als Fußball-Profi zwangsläufig einen Kreuzbandriss kriegt.»
Ursache und Dauer der genannten Fälle sind jeweils verschieden. Bei Mittelham war die Lendenwirbelsäule betroffen, bei Ovtcharov der Hals. Winter hatte sogar 2024 das eine Problem (Verletzung am unteren Rücken) und jetzt das andere (Schmerzen im Nacken).
Teamarzt Garn sagt deshalb auch: «Wir haben die Probleme im Blick, haben eine Analyse vorgenommen und Präventivprogramme für die Spielerinnen und Spieler entwickelt.» Dabei geht es um spezielles Athletiktraining und um Physiotherapie.
Für Winter war der Zeitpunkt vor der EM sehr bitter. Die 34-Jährige wurde zwar schon siebenmal Europameisterin. Bislang aber «nur» im Doppel oder mit dem deutschen Team.
Einzige Europäerin in den Top 10
Im Einzel startete Winter erst so richtig durch, als sie mit 31 Jahren ihren Schlägerbelag und ihre Spielweise änderte. Seit 2024 klebt ein glatter Antitop-Belag auf ihrer Rückhandseite, der die Ballwechsel teilweise extrem verlangsamt und ihre Gegnerinnen entnervt.
Seitdem ist sie die einzige Europäerin, die zu den besten 10 der Weltrangliste gehört und auch mehrfach Top-Spielerinnen aus China schlug. Für die EM galt Winter als Favoritin – bis ein Arzt den Bandscheibenvorfall feststellte.
Seit August trainiert und spielt sie wieder – dank mehrerer Spritzen und gezielter Übungen zur Stabilisation. In Ljubljana steht Winter aber vor einer doppelten Herausforderung: Mit der EM und den China Open gleich zwei Top-Wettbewerbe nacheinander durchzustehen. Die vielen Turnierreisen nach Asien seien «ein zusätzlicher Faktor, der den Körper fordert», sagt der deutsche Sportvorstand Richard Prause.
Timo Boll als Vorbild
Ein anderer Wettlauf geht für Winter ebenfalls weiter: Sind ihre Gegnerinnen schneller darin, ihre neue Spielweise zu entschlüsseln? Oder schafft sie es selbst, sich immer noch einen Schritt weiterzuentwickeln? «Meine Gegnerinnen agieren jetzt ein bisschen cleverer gegen mich», sagt sie. «Aber noch hat man mich nicht endgültig ausanalysiert.»
Ein prominentes Vorbild hat Winter. Deutschlands Tischtennis-Legende Timo Boll erlitt 2018 eine Bandscheiben-Verletzung und reiste praktisch ohne Vorbereitung zur Europameisterschaft. Am Ende gewann er seinen siebten von acht EM-Titeln.
