Das Rampenlicht bei den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo ist Minerva Hase und Nikita Volodin sicher. Allein der für deutsche Eiskunstlaufverhältnisse große Medienauflauf bei einem Pressetermin der Vizeweltmeister zu Beginn des Olympia-Jahres in Berlin lässt daran keine Zweifel. Die beiden 26-Jährigen sind gefragt, doch zu viele Gedanken an den wichtigsten Wettkampf ihrer Karriere wollen Hase/Volodin noch nicht verschwenden.
Dafür bleibt ihnen zumindest in dieser Woche auch kaum Zeit. Denn genau einen Monat vor der Paarlaufkonkurrenz bei den Winterspielen in Italien will das deutsche Duo Selbstvertrauen sammeln – mit einer erfolgreichen Titelverteidigung bei der Europameisterschaft im britischen Sheffield.
Mittwoch Kurzprogramm, Donnerstag Kür
«Wir wollen uns noch mal Sicherheit holen, Feedback holen», sagte Hase, die die EM als «Generalprobe» für Olympia bezeichnete. Am Mittwoch (ab 14.00 Uhr) steht das Kurzprogramm an, in der Kür am Donnerstag (ab 20.00 Uhr) geht es um die Medaillen.
Auf der EM, bei der Hase/Volodin Goldfavorit sind, liegt zunächst auch der Fokus. «Wir denken jetzt noch gar nicht so viel an Olympia, sondern wir trainieren jetzt diese Woche, um bei der EM gut zu laufen. Und nach der EM trainieren wir, um bei Olympia gut zu laufen», sagte Hase.
Olympia steht über allem
Dennoch soll der Wettkampf nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu Olympia sein. Man könne noch mal «ein, zwei Sachen ausprobieren», denn der Wettkampf sei «im Endeffekt jetzt nicht so wichtig» wie der am 15. und 16. Februar, erklärte Hase. Der große Traum nämlich ist olympisches Gold.
«Wir haben noch mal so einen Wettkampf, wo man so ein bisschen dieses Wettkampffeeling hat», äußerte Hase. Mit der großen Ausnahme der japanischen Weltmeister Riku Miura und Ryuichi Kihara trifft das deutsche Paar in Sheffield auf die Konkurrenten, die es wohl auch in Mailand zu schlagen gilt.
«Die Punkte der anderen können wir nicht beeinflussen. Wir können nur das beeinflussen, was wir auf dem Eis machen», sagte der in Russland geborene Volodin, der am 21. August des vergangenen Jahres den deutschen Pass erhalten hatte. Seitdem steht fest, dass das Paar bei Olympia starten darf. Die erste Hürde ist damit gemeistert.
Im Paarlaufen Top, im Einzel Flop
In Sheffield treten Hase/Volodin auch gegen das zweite deutsche Topduo Annika Hocke und Robert Kunkel an. Das Paar hatte bei der EM vor drei Jahren Rang drei belegt. Nach Verletzungen in den vergangenen Monaten und Jahren dürfen sich Hocke/Kunkel Außenseiterchancen auf eine Medaille ausrechnen.
Während das Paarlaufen hierzulande in der Weltelite derzeit bestens aufgestellt ist, steht Deutschland in den Einzelkonkurrenzen so schlecht da wie selten zuvor. Bei den Männern nimmt zumindest der 18 Jahre alte Hoffnungsträger und Vierfachspringer Genrikh Gartung an der EM teil. Die Olympia-Qualifikation hatte er aber verpasst.
Keine deutsche Einzelstarterin dabei
Bei den Frauen stellt Deutschland erstmals seit mehr als 70 Jahren keine Einzelstarterin bei einer Europameisterschaft. Es fehlt schlichtweg die Qualität. Die Deutsche Eislauf-Union entschied sich gegen eine Nominierung. «Da laufen wir gerade durch ein Tal», sagte DEU-Präsident Andreas Wagner. Minerva Hase und Nikita Volodin hingegen wollen schon bald den Eiskunstlauf-Gipfel erklimmen.
