Niko Kovac war sichtlich zufrieden. «Ich will mich nicht selber beweihräuchern, aber ich glaube, der Plan ist aufgegangen», sagte der Trainer von Borussia Dortmund nach dem Tor-Comeback von Serhou Guirassy und lächelte. Kovac hatte den zuvor kriselnden Guirassy ausnahmsweise mal nicht von Beginn an aufgestellt, sondern erst als Joker gebracht. Der Torjäger, der zuvor seit Ende Oktober in der Liga nicht getroffen hatte, erzielte kurz vor Schluss den 3:0-Endstand gegen Werder Bremen.
Die Partie war zu diesem Zeitpunkt schon entschieden. Dass der Treffer, der aus einem krassen Bremer Abwehrfehler resultierte, trotzdem kein gewöhnlicher war, zeigten die Reaktionen. Torwart Gregor Kobel rannte extra zum Jubeln nach vorne und auch Abwehr-Anführer Nico Schlotterbeck zeigte sich erleichtert.
Schlotterbeck: «Werden nun den Stürmer sehen, den wir kennen»
«Nun hat er endlich sein Tor gemacht. Ich glaube schon, dass der Knoten geplatzt ist», sagte der deutsche Nationalspieler bei DAZN. Schlotterbeck ist zuversichtlich: «Wir werden nun den Stürmer sehen, den wir kennen. Man merkt es auch, dass ein bisschen was von ihm abgefallen ist.»
Tatsächlich sah man Guirassy in den vergangenen Wochen und Monaten nicht so, wie man ihn kannte. Der 29-Jährige, der in der vergangenen Saison in der Bundesliga 21-mal traf, steht jetzt erst bei sechs Toren. Guirassy wirkte zudem nicht gut ins BVB-Spiel eingebunden und verschuldete beim 3:3 zum Jahresstart bei Eintracht Frankfurt einen Elfmeter. Die Kritik wurde immer lauter.
«Wenn sich viele auf einen einschießen, ist es nicht leicht. Er hat zuletzt nicht schlecht gespielt», sagte Schlotterbeck. «Wir erwarten viel, es ist nicht leicht als Stürmer.»
Guirassy selbst äußerte sich zum Ende seiner bemerkenswerten Schaffenskrise nicht. Dafür beschrieb Keeper Kobel, wie es in seinem Mitspieler ausgesehen haben könnte. «Als Stürmer willst du Tore machen – vor allem einer wie er, der es gewohnt ist, eigentlich am Fließband die Tore reinzuknallen», sagte der 28-Jährige. «Dann frustet das natürlich schon, wenn du eine Zeit hast, wo du mal ein bisschen warten musst.»
Der BVB braucht Guirassy in der Champions League
Alle beim BVB hoffen nun, dass die «Lebensversicherung», wie Kovac den Stürmer gerne nennt, rechtzeitig für die anstehenden wichtigen Spiele in der Königsklasse zurück zu alter Stärke findet. Nächste Woche in London bei Tottenham Hotspur und eine Woche später daheim gegen Inter Mailand geht es um den Einzug ins Achtelfinale. Dortmund will den Umweg über die Playoffs vermeiden und es direkt schaffen.
Dafür braucht es einen Torjäger in Topform, aber auch sonst eine klare Leistungssteigerung. Das auf dem Papier deutliche 3:0 und die Freude über den Guirassy-Treffer übertünchten ein wenig den über weite Strecken sehr dürftigen spielerischen Auftritt der Westfalen. Vor allem in der ersten Hälfte leistete sich Dortmund teils eklatante Ballverluste und Fehler im Spielaufbau. Mannschaften mit internationaler Klasse hätten diese durchaus für zwei, drei Tore nutzen können.
Die Partie gegen Bremen stand in gewisser Weise stellvertretend für eine seltsame Hinrunde. Dortmund hat nach 17 Spielen 36 Punkte und damit so viele wie seit sieben Jahren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Dass viele Fans trotz Führung zur Pause gegen Bremen pfiffen, zeigt jedoch auch: Es läuft längst nicht alles, wie es sollte. Im Heimspiel gegen den FC St. Pauli am Samstag (15:30 Uhr/Sky) hat das Kovac-Team die nächste Chance, auch spielerisch zu überzeugen.
