Bei der gemeinsamen Ankunft in Melbourne war Carlos Alcaraz seinem großen Rivalen Jannik Sinner schon mal einen kleinen Schritt voraus. Als Erster verließ der spanische Weltranglisten-Erste den Privatjet, der die beiden Dominatoren der Tennisszene von einem gemeinsamen Showkampf in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul nach Australien gebracht hatte.
Dort werden die beiden derzeit besten Tennisspieler der Welt ihr Dauer-Duell fortsetzen, darin sind sich alle Experten einig. Im vergangenen Jahr teilten Alcaraz und Sinner die vier Grand-Slam-Titel unter sich auf. Sinner triumphierte in Melbourne und Wimbledon, Alcaraz gewann in Paris und New York.
Beeindruckende Dominanz
Es ist schon eine Weile her, dass zwei Spieler die Tour so sehr dominiert haben wie der 22 Jahre alte Spanier und der zwei Jahre ältere Italiener. Alcaraz hat in der Weltrangliste 550 Punkte mehr als Sinner, der wiederum 6395 Punkte vor dem Weltranglisten-Dritten Alexander Zverev liegt. Umgerechnet entspricht das mehr als drei Grand-Slam-Titel, von denen Zverev bislang noch keinen einzigen gewonnen hat. «Im Moment sind beide dem Rest ein bisschen enteilt», räumte Zverev ein.
Ihrem guten Verhältnis tut die Rivalität keinen Abbruch. «Wir verstehen uns gut. Wir spornen uns gegenseitig an», sagten Sinner und Alcaraz gemeinsam nach der Ankunft in Melbourne, wo an diesem Sonntag die Australian Open beginnen. Vieles spricht dafür, dass das Endspiel in der Rod Laver Arena am 1. Februar Alcaraz gegen Sinner heißt. Es wäre das nächste Kapitel der Ära «Sincaraz».
Überraschende Trainer-Trennung
Oder doch nicht? Vor allem rund um Alcaraz gibt es auch ein paar Fragezeichen. In der kurzen Tennispause zwischen den Jahren gab der Spanier völlig überraschend die Trennung von seinem Trainer Juan Carlos Ferrero bekannt. Noch immer ist nicht ganz klar, warum es zum Ende der Zusammenarbeit kam. Die beiden Spanier galten als das perfekte Duo, gemeinsam gewannen sie sechs Grand-Slam-Titel.
Insider spekulieren, dass die Entscheidung zur Trennung gar nicht von Alcaraz selbst, sondern von dessen Umfeld ausging. Geld soll wie so oft eine Rolle spielen. Ferrero zeigte sich auf jeden Fall sehr überrascht davon, dass er den Weltranglisten-Ersten 2026 nicht mehr auf der Tour begleiten wird.
«Das Jahr verlief sehr gut. Ich hatte weder mit ihm noch mit seinem Umfeld irgendwelche Streitigkeiten», sagte der Ex-Profi im spanischen Radio. «Ich war mit einigen Punkten des neuen Vertrags nicht einverstanden, habe dies zum Ausdruck gebracht und wir konnten keine Einigung erzielen. Ich bleibe meinen Werten und Überzeugungen treu», sagte Ferrero.
Sinner kennt Diskussionen aus 2025
Die Frage ist, wie sehr Alcaraz die Trennung von seinem Erfolgscoach belastet. Dass die Nummer eins der Welt ohne festen Trainer beim ersten Highlight des Jahres antritt, gibt auf jeden Fall viel Raum für Diskussionen. Eurosport-Experte Mats Wilander brachte bereits Roger Federer als neuen Coach ins Gespräch. Auch der Name Andy Murray kursiert. Vorerst setzt Alcaraz aber auf ein Team aus seiner Akademie.
Sinner kennt es gut, wenn man in Melbourne im Mittelpunkt von Diskussionen steht. Im vergangenen Jahr drehte sich in Australien viel um den Dopingfall des Italieners, der dann nach dem ersten Grand-Slam-Turnier überraschend einer dreimonatigen Sperre zustimmte. Doch Sinner blendete alles Geraune um seine Person aus und besiegte im Endspiel Zverev in drei Sätzen.
Amateur gewinnt Showevent in Rod Laver Arena
In Seoul musste sich Sinner gegen Alcaraz mit 5:7, 6:7 (6:8) geschlagen geben, beide begeisterten die rund 12.000 Zuschauer mit zum Teil spektakulären Schlägen. Dass die beiden Superstars aber nicht unschlagbar sind, zeigte sich bei einem Showevent in Melbourne am Mittwoch.
Beim 1 Point Slam schieden Sinner und Alcaraz beide wie auch Alexander Zverev vorzeitig aus und verpassten damit das Preisgeld in Höhe von einer Million Australischer Dollar (rund 573.530 Euro). Das sicherte sich ein australischer Amateur. Allerdings wurden die Matches mit Profis, Prominenten und Amateuren auch nur über jeweils einen Punkt gespielt.
