Das Laufen auf Gehwegen ist in diesen Tagen vielerorts eine einzige Rutschpartie. Eine Gefährliche noch dazu: Wer den Halt verliert und stürzt, zieht sich schlimmstenfalls Knochenbrüche zu.
Um sicherer voranzukommen, gibt es ein Hilfsmittel zum Überziehen für die Schuhe, das allerdings auch seine Tücken hat: Spikes. Sie sorgen für mehr Halt auf Eis und Schnee und verhindern bestenfalls, dass man ausrutscht und übel stürzt.
Was muss man bei den Überziehern beachten?
Die Halterung, meist ist sie aus Gummi oder Kunststoff, muss zum Schuh passen. Oft sind die Überzieher für mehrere Schuhgrößen ausgelegt – etwa von 41 bis 43. Bestenfalls hat man die Gelegenheit, den Sitz im Laden zu testen.
Bei den Spikes ist es wichtig, dass sie aus rostfreiem Edelstahl sind, sagt Boris Gnielka von der Fachzeitschrift «Outdoor». Und: «Ich würde auch darauf achten, dass es Zacken sind, und nicht nur kleine Stiftchen.»
Spitze Stifte mit ein bis zwei Millimeter Länge seien bei Glätte zwar besser als nichts. Doch gerade, wenn das Eis verschoben und mit Schnee versetzt ist, seien längere, zackige Formen mit bis zu einem Zentimeter Länge besser.
Alles, was über diese Länge hinausgeht, könnte man schon eher im alpinen Einsatzbereich verorten. Das wären dann Grödel oder leichte Steigeisen. Sie sind eher nichts für den Weg von der Wohnung zur Bushaltestelle.
Sollten die Überzieher die ganze Sohle umfassen?
Im Handel finden sich auch Spikes zum Überziehen, die nur einen Teil des Schuhs umspannen und damit nur einen Teil der Sohle abdecken. Fachmann Gnielka hält wenig davon. Oft rutsche man mit der Ferse weg und dann bringen Spikes nur im Ballenbereich wenig. «Wenn, dann würde ich zu Modellen greifen, die über die ganze Sohle Traktion bieten.»
Kann ich sie auf geräumten Wegen anlassen?
Lieber nicht. Das kann dann wiederum ungewollt rutschig werden, wenn das Metall über Gehwegplatten gleitet. Zumal sich die Spikes auf Stein und Asphalt abnutzen. Geht man nicht mehr über Eis oder Schnee, sollte man die Spikes abziehen. Das gilt umso mehr in Innenräumen – dort können die Spitzen unschöne Kratzer und Löcher im Fußbodenbelag verursachen.
Ein Ratschlag: Wer nicht mehr so beweglich ist, sollte «das Gefummel des Abmachens und Ranmachens», wie Gnielka es nennt, nicht unterschätzen. Etwa, ehe man in einen Bus oder Zug einsteigt. Gibt es dann keine Sitzgelegenheit, kann das Ausziehen schwierig werden.
Wohin mit den Überziehern, wenn man sie nicht braucht?
Je nachdem, wie flexibel das Material ist und wie groß sie sind, passen die Spike-Aufsätze in die Jackentasche. Wobei das gerade nach dem Gebrauch, wenn sie nass und voller Schmutz und Streusalz sind, unschöne Flecken geben dürfte – am besten hat man noch eine Tüte dabei, in die man sie hineinpackt.
Und was ist mit Schuhen mit festen Spikes in den Sohlen?
Boris Gnielka erzählt von Laufschuhen mit integrierten Spikes, die er mal hatte. «Um im Winter zu joggen, waren die super.» Ging es aber über Passagen ohne Eis und Schnee, sei das sehr unkomfortabel gewesen.
«Dann läuft man, als hätte man einen Haufen Steine unter der Sohle. Es knirscht und knackst.» Und die Sohle verschleißt. Das sollte man bedenken, wenn man zu Schuhen mit integrierten Spikes greift.
Was sind generelle Empfehlungen für das Schuhwerk?
Bei winterlichen Verhältnissen sollten die Schuhe bequem sein, fest am Fuß sitzen und eine weiche, ausreichend rutschhemmende Profisohle haben. Das hat das Institut für Arbeitsschutz vor einigen Jahren schon empfohlen. Nicht ratsam:
- harte, starre Sohlen
- Schuhe mit hohem Absatz
- Ledersohlen
Die Fachleute des Instituts, das zur Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung gehört, haben auch Spikes getestet.
Fazit: Liegt dickes Eis oder Schnee auf Wegen und Straßen verbessern sie die «Rutschhemmung» und bieten so Sicherheit.
Aber eben nur dort: «Zu beachten ist, dass es umso rutschiger werden kann, wenn mit Spikes über geräumte Flächen gegangen wird.» Dann müsste man die Spikes ausziehen, heißt in dem weiterhin aktuellen Bericht.
Wie sollte man bei Glätte generell gehen?
Anlässlich der Glätte im Land hat die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie erst jüngst wieder auf den besten Laufstil für rutschige Wege hingewiesen: den Pinguin-Gang.
Also: kleine und langsame Schritte machen, den Fuß mit der ganzen Sohle aufsetzen und den Körperschwerpunkt immer über dem vorderen Bein haben.
Gibt es Geländer in Griffweite, sollte man sie zum Festhalten nutzen. Wer das beherzigt, kommt auch ohne Spikes meist sicher voran.
