Ob im Restaurant, im Taxi oder beim Friseur – Trinkgeld zu geben, gehört für viele zum Alltag. Doch die ungeschriebenen Regeln sind nicht immer klar. Bei wem rundet man nur auf, wann gibt man ein paar Euro extra und wann lässt man es komplett sein? Linda Kaiser, stellvertretende Vorsitzende der Deutschen-Knigge-Gesellschaft, gibt im Interview Orientierung. Und sie klärt, in welchen Fällen und in welchem Rahmen Trinkgeld in Deutschland üblich ist.
Frau Kaiser, an Bedienungstheken, in Bars oder beim Friseur herrscht immer mal wieder Unsicherheit. Wem gebe ich also Trinkgeld, wo ist es eher unüblich?
Linda Kaiser: Trinkgeld gibt man einer Person als Zeichen der Anerkennung und Dankbarkeit, die einem eine persönliche Dienstleistung hat zuteilwerden lassen. Daher ist es in klassischen Verkaufssituationen wie etwa beim Bäcker oder Metzger nicht vorgesehen. Bei Servicekräften oder Dienstleistungen – zum Beispiel beim Friseur, im Nagelstudio, im Restaurantbetrieb oder bei der Personenbeförderung – hingegen schon.
Wie viel Trinkgeld ist angemessen?
Linda Kaiser: Trinkgeld ist in Deutschland eine freiwillige Leistung. Niemand ist verpflichtet, Trinkgeld zu geben. Wer es dennoch tun möchte, kann sich an eine einfache Empfehlung halten und fünf bis zehn Prozent des Rechnungsbetrages aufschlagen. Bei kleineren Beträgen, beispielsweise im Café, wird auch gerne einfach aufgerundet.
Was, wenn Service oder Leistung überhaupt nicht überzeugt haben – ist es dann angebracht, gar kein Trinkgeld zu geben oder ist das einfach nur respektlos?
Linda Kaiser: Wer mit dem Service nicht zufrieden ist, sollte lieber das Gespräch suchen. Nur durch wertschätzende Kommunikation können Missstände behoben werden. Wenn ich den Service rechtzeitig anspreche und eine Nachbesserung im Service-Gast-Verhältnis stattfindet, habe ich wieder einen Grund, Trinkgeld zu geben.
Wenn ich nicht ankündige, dass der Service schlecht ist und einfach kein Trinkgeld gebe, versteht mein Gegenüber das nicht zwangsläufig als Ausdruck meiner Unzufriedenheit, sondern geht womöglich davon aus, dass ich generell kein Trinkgeld gebe.
