Dajana Eitberger und Magdalena Matschina schnappten sich die Deutschland-Fahne und feierten ihre Silbermedaille bei der spannenden Olympia-Premiere zusammen mit den siegreichen Gastgeberinnen. Die Freude war groß beim deutschen Duo, auch wenn im Doppelsitzer nur 0,12 Sekunden zu Gold fehlten. Auf das deutsche Rodel-Team ist jedenfalls Verlass. Nach den Olympiasiegen von Max Langenhan und Julia Taubitz war es bereits die dritte Medaille im dritten Rennen in Cortina d’Ampezzo.

Eitberger war nach dem Silber-Coup völlig losgelöst. «Es ging schon beim Aufstehen los. Ich war heute sehr emotional, ich habe im Zehn-Minuten-Takt nur geheult. Ich habe die letzten acht Jahre Revue passieren lassen. Da ist unglaublich viel passiert in meinem Leben», sagte sie in der ARD und ergänzte: «Ich wusste 2022, dass für mich die Reise bis 2026 weitergeht. Da kommt noch mal was ganz Großes. Ich sollte ein Stück weit Recht behalten. Dass es im Doppelsitzer ist, daran habe ich 2022 noch nicht gedacht.»

Die 35 Jahre alte Eitberger vom RC Ilmenau und die 15 Jahre jüngere Partnerin Matschina vom SV Bad Feilnbach mussten sich nur den überragenden Italienerinnen Andrea Vötter und Marion Oberhofer geschlagen geben. Für die favorisierten Weltmeisterinnen Selina Egle und Lara Kipp aus Österreich reichte es nur zu Bronze.

«Alle Achtung. Ich kann nur den Hut ziehen. Ich bin richtig stolz. Ich freue mich riesig, dass dieses Projekt so gelungen ist», sagte Thomas Schwab als Vorstandschef des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD).

Spannender Zweikampf um Gold

Im ersten Durchgang hatten Eitberger und Matschina trotz einer leichten Bandenberührung nur 0,022 Sekunden Rückstand auf die Italienerinnen und lagen damit auf Platz zwei. Es war sogar Gold drin. Doch auch nach einer Leistungssteigerung im zweiten Durchgang wurden sie von den beiden Italienerinnen noch getoppt. «Ich war sau-nervös oben am Start bei beiden Läufen. Mir war es im Endeffekt scheißegal, was unten rauskommt. Ich wollte einfach nur Spaß haben», meinte Matschina.

62 Jahre nach dem Olympia-Debüt der Männer in Innsbruck/Igls waren erstmals die Frauen im Doppelsitzer bei Winterspielen an den Start gegangen. Die erfahrene Eitberger hatte schon 2018 in Pyeongchang Silber hinter Natalie Geisenberger im Einsitzer geholt. Danach pausierte sie in der Saison 2019/20, im Februar 2020 kam ihr Sohn zur Welt. 2023 meldete sie sich in Oberhof mit dem WM-Titel im Sprint zurück.

Insgesamt waren nur elf Teams an den Start gegangen, weil das Internationale Olympische Komitee nur eine Mannschaft je Nation zugelassen hatte. Das hatte zur Folge, dass die WM-Zweiten und Europameister Jessica Degenhardt und Cheyenne Rosenthal nicht teilnehmen durften.

Eitberger nach Baby-Pause erfolgreich zurück

Mit Silber für Eitberger und Matschina war nicht unbedingt zu rechnen. Denn die Olympia-Generalprobe ging zuletzt in Oberhof komplett daneben. Das Duo stürzte auf der Heimbahn, trat aber dennoch zum zweiten Lauf wieder an. «Wir fahren immer am Limit. Wir haben die Konzentration stets hochgehalten», meinte die erfahrene Eitberger, die 2018 in Pyeongchang Olympia-Silber hinter Natalie Geisenberger holte. Danach pausierte sie in der Saison 2019/20, im Februar 2020 kam ihr Sohn zur Welt. 2023 meldete sie sich in Oberhof mit dem WM-Titel im Sprint zurück. 

Ihr Erfolgsrezept ist einfach. Den Schlitten auch mal «in die Ecke stellen, um hungrig zu bleiben», sagte die gebürtige Ilmenauerin. So zog sich das Duo nach Berchtesgaden zurück, «zum Schlemmen, Relaxen und Spaß» haben. Den Sturz bezeichnete Eitberger als «Wachrüttler für uns, um das Momentum wieder nach oben zu schrauben». 

Immerhin siegte das Duo beim Testevent Ende November auf der neu gebauten Bahn im Cortina Sliding Centre. Partnerin Matschina sagte daher unbeirrt: «Wir wissen, dass wir in Cortina fahren können.»

US-Rodlerin Sophia Kirkby, die mit Chevonne Forgan fuhr, ging als Fünfte leer aus. Zuletzt sorgte die 24-Jährige außerhalb der Rodelbahn für Schlagzeilen. Sie selbst bezeichnete sich «als die begehrteste Junggesellin im olympischen Dorf». Sie werde nach dem Rennen auf vielen Dating-Plattformen aktiv sein. «Wenn ich also keine Olympioniken finde, bin ich sehr offen für Dates mit Fans», betonte Kirkby, die sich selbst als Live-Version von «Olympia-Bachelorette» sieht.