Die Olympischen Spiele sollen eigentlich ein reines Sportfest sein – so zumindest stellt es sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) vor. Der ukrainische Skeleton-Pilot Wladislaw Heraskewytsch wurde vom Wettkampf in Cortina d’Ampezzo ausgeschlossen, weil er darauf bestand, einen Helm mit Fotos von ukrainischen Sportlern zu tragen, die im russischen Angriffskrieg getötet wurden. 

Dabei wurden sowohl Sommer- als auch Winterspiele immer wieder für politische Botschaften und Gesten genutzt – auch vom IOC selbst. Eine Auswahl:

Nazi-Spiele 1936

Die Nationalsozialisten nutzen die Sommerspiele in Berlin und die Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen, um ihre menschenverachtende und rassistische Weltanschauung zu propagieren. Sie wollen zeigen, dass arische Menschen den anderen überlegen sind. Die Olympiasiege unter anderem des schwarzen Amerikaners Jesse Owens sind Adolf Hitler ein Dorn im Auge.

Black-Power-Protest 1968

Die Sommerspiele in Mexiko-Stadt steigen gegen Ende der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Die US-Sportler Tommie Smith und John Carlos recken bei der Siegerehrung des 200-Meter-Laufs jeweils eine Faust in die Luft zum Black-Power-Gruß. Die beiden werden aus dem US-Team geworfen.

Terroranschlag in München 1972

Während der Spiele in München überfallen palästinensische Terroristen das Team aus Israel, töten einen Sportler und einen Coach und nehmen neun Geiseln. Ein Polizeieinsatz am Flughafen misslingt, alle Geiseln sterben. Trotzdem erklärt IOC-Chef Avery Brundage, die Spiele müssten weitergehen.

Afrikanischer Boykott 1976

Mehr als 20 afrikanische Länder boykottieren die Spiele 1976 in Montreal, weil das IOC das Rugby-Team aus Neuseeland teilnehmen lässt. Die Auswahl war zuvor zu einem Match in dem Apartheid-Staat Südafrika angetreten.

Westliche Länder fehlen in Moskau 1980

Die USA rufen zum Boykott der Moskau-Spiele auf als Protest gegen den Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan. Am Ende bleiben 67 Nationen den Sommerspielen fern, darunter westliche Verbündete der USA wie die Bundesrepublik Deutschland. Als Zeichen des Protests traten 16 andere Länder – etwa Frankreich, Italien und Großbritannien – nicht unter ihrer Landesflagge an.

Sowjetischer Boykott 1984 in Los Angeles

Vier Jahre nach Moskau entscheidet dann die Sowjetunion, dass sie sowie die mit ihr verbündeten Staaten des Warschauer Paktes keine Sportler zu den Sommerspielen nach Los Angeles schicken. Auch Athletinnen und Athleten aus der DDR sind davon betroffen. Erstmals seit 1952 ist China wieder dabei.

Cathy Freeman entzündet olympische Flamme

Bei den Sommerspielen von Sydney darf Cathy Freeman das olympische Feuer entzünden. Dies wird als politisches Symbol der Organisatoren interpretiert, die indigene Bevölkerung mit den weißen Australiern zu versöhnen.

Heftige Proteste gegen Sommerspiele 2008 in Peking

Menschenrechtsorganisationen protestieren heftig gegen die Spiele in China, welche die Kommunistische Partei für eigene Zwecke nutzen möchte. Vorgeworfen wird der Regierung unter anderem Menschenrechtsverletzungen in Tibet sowie die Zerstörung der Umwelt.

Flüchtlingsteam in Rio 2016

Zum ersten Mal nimmt ein zehnköpfiges Flüchtlingsteam an den Spielen teil – darunter Athleten und Athletinnen aus der Demokratischen Republik Kongo und Syrien. Die Gründung des Teams wird inmitten der europäischen Flüchtlingskrise verkündet. Auch in Tokio 2021 und Paris 2024 geht ein solches Team an den Start.

2018 Annäherung Nord- und Südkorea in Pyeongchang

Bei den Spielen in Pyeongchang laufen auch auf Wunsch des IOC Sportler aus Nord- und Südkorea gemeinsam ein und schwenken Fahnen, auf der die koreanische Halbinsel abgebildet ist. Im Anschluss an die Spiele finden Gespräche statt, bei denen jedoch keine konkreten Ergebnisse erzielt werden.

Russen-Bann wegen Doping-Eklat und Angriffskrieg

Russland wurde aufgrund von systematischem Staatsdoping und manipulierten Labordaten mehrfach von Olympischen Spielen ausgeschlossen. Zwischen 2018 und 2022 traten russische Athleten nur unter der Flagge ihres Nationalen Olympischen Komitees an. 2024 in Paris durften die Athleten dann wegen des Angriffskrieges gegen die Ukraine – und fortlaufender, strenger Kontrollen im Nachgang der Doping-Skandale – nur als individuelle neutrale Athleten (AIN) ohne Flagge und Hymne antreten, Mannschaften wurden ausgeschlossen.