Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würde es begrüßen, wenn Deutschland die Olympischen Sommerspiele und Paralympischen Sommerspiele 2040 oder 2044 ausrichten könnte. Olympia in Deutschland im Jahr 2036 lehnt er aber aus historischen Gründen ab: 1936, also genau 100 Jahre zuvor, war das nationalsozialistische Deutschland Ausrichter der Sommerspiele. Die Nazis missbrauchten die Spiele hemmungslos für ihre Propaganda.
Steinmeier sehe das Jahr 2036 als «historisch problematisch» für eine deutsche Olympia-Bewerbung an, sagte ein Sprecher in Berlin. Er hoffe aber, dass Deutschland die Spiele in den Jahren 2040 oder 2044 ausrichten könne. Zuvor hatte der «Spiegel» darüber berichtet.
Schröder kontra Steinmeier
Anders als Steinmeier würde Altbundeskanzler Gerhard Schröder Olympia 2036 in Deutschland begrüßen. «Die Bedenken des Herrn Bundespräsidenten gegen eine Austragung der Olympischen Spiele 2036 in Deutschland sind gewiss ernst zu nehmen. Gleichwohl teile ich sie nicht», schrieb der 81-Jährige auf der Plattform Linkedin.
«Eine Austragung der Spiele gerade zu diesem Datum in Deutschland würde die Chance eröffnen, der Weltöffentlichkeit, aber auch der jungen Generation in Deutschland, deutlich zu machen, was wir als demokratisches Deutschland aus unserer Geschichte gelernt haben», argumentierte Schröder, der von 1998 bis 2005 die damalige Regierung von SPD und Grünen als Kanzler anführte.
Entscheidung über deutschen Bewerber im September
Die letzten Olympischen Spiele in Deutschland fanden im Sommer 1972 in München statt. Nun wollen für 2036, 2040 oder 2044 wiederum München sowie Hamburg, Berlin und die Region Rhein-Ruhr für Sommerspiele kandidieren. Der Deutsche Olympische Sportbund entscheidet im September, welchen nationalen Bewerber er ins Rennen schickt.
Die Sommerspiele 2028 sind nach Los Angeles vergeben, 2032 ist Brisbane der Gastgeber. Für 2036 gilt Asien als aussichtsreich bei der Vergabe durch das Internationale Olympische Komitee, Indien und Katar haben Interesse angemeldet.
