Es klingt fast schon kitschig. Die NHL schickt erstmals seit 2014 wieder die besten Eishockeyspieler der Welt zu Winterspielen und auf Anhieb heißt das Olympiafinale in Mailand Kanada gegen die USA. Schon vor dem Traum-Endspiel der NHL und der meisten Eishockeyfans weltweit am Sonntag (14.10 Uhr/ZDF und Eurosport) kommt es zu jeder Menge Pathos.

«Es wird nicht ein einziges Fernsehgerät in den USA und Kanada geben, auf dem nicht das Spiel läuft», sagte US-Stürmer Matthew Tkachuk, bekennender Fan von Donald Trump. Vor einigen Tagen hatten italienische Medien für den Fall des US-Finaleinzugs berichtet, dass sich die Polizei auf einen Besuch des US-Präsidenten vorbereite.

Fraglich indes, ob sich der US-Präsident wirklich den Pfiffen tausender Kanadier in der Santagiulia-Halle aussetzen und eine mögliche Niederlage der USA anschauen würde. Denn natürlich ist Kanada mit dem wohl weltbesten Spieler Connor McDavid von den Edmonton Oilers Favorit. Der 28 Jahre alte Olympia-Topscorer will endlich das Image des ewigen Zweiten ablegen. An der Seite seines Kumpels Leon Draisaitl verlor McDavid bereits zwei Stanley-Cup-Finalserien, zuletzt im vergangenen Sommer gegen die Florida Panthers.

Krönt sich der weltbeste Spieler Connor McDavid?

«Um ehrlich zu sein: Ich habe mir darüber noch keine Gedanken gemacht», sagte McDavid nach dem 3:2-Halbfinal-Thriller am Freitag gegen Finnland zu seinem möglicherweise ersten bedeutenden Titel mit einem Team. Ganz so ehrlich war diese Aussage allerdings wohl kaum. Denn natürlich ist dies vor allem in Nordamerika ein großes Thema. 

Ebenso groß diskutiert in den Stunden vor dem großen Finale wird die Verletzung von Sidney Crosby. Nicht nur die größte Eishockey-Nation der Welt fiebert mit, ob ihr Kapitän und Superstar am Sonntag wieder mitspielen kann. «Das wäre unglaublich», sagte Kanadas Flügelstürmer Seth Jarvis. «Sein Einfluss auf die Kabine ist nicht zu unterschätzen. Einen Typen wie ihn am Sonntag dabei zu haben, hätte einen massiven Einfluss für uns.»

Kanada hofft auf Crosby-Rückkehr

Der 38 Jahre alte Olympiasieger von 2010 und 2014 war im Viertelfinale gegen Tschechien verletzt vom Eis gegangen. Ohne ihren Kapitän hatten die Kanadier sowohl gegen die Tschechen als auch gegen Finnland im Halbfinale schon kurz vor dem Aus gestanden, sich aber noch zum Sieg gekämpft. 

Deutlich weniger Mühe hatten die USA beim 6:2 im Halbfinale mit der Slowakei. Wie Top-Favorit Kanada ist auch der Weltmeister bei den Winterspielen bislang ungeschlagen. «Das sind die beiden wirklich besten Mannschaften bei diesem Turnier. Wir haben die Chance, wirklich etwas Großes zu erreichen», sagte US-Stürmer Jack Eichel. 

Die USA waren erst einmal Olympiasieger: Vor inzwischen 46 Jahren beim «miracle on ice», als eine Gruppe von Collegespielern die als damals unschlagbar geltenden Sowjets niederrang. Damals waren noch keine NHL-Profis bei Olympia dabei. Seitdem die nordamerikanische Profiliga die weltweit besten Spieler zu den Winterspielen schickt, triumphierte Kanada bereits dreimal. Zweimal (2002 und 2010) gewann das Mutterland des Eishockeys im Finale dabei gegen die USA. 

«Wir haben jetzt die Möglichkeit, unseren Sport zu einem besseren Sport für die zukünftige Generation zu machen», sagte Matthew Tkachuks Bruder Brady reichlich pathetisch. An Aussagen wie diesen lässt sich erahnen, welche Bedeutung das Finalduell der Erzrivalen am Sonntag für beide Nationen hat.