Russland hat den Ausschluss des ukrainischen Skeleton-Piloten Wladyslaw Heraskewytsch bei den Olympischen Winterspielen begrüßt. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte der Sportzeitung «Sport-Express»: «Sport sollte nicht politisiert werden.» Das Thema wurde breit diskutiert in dem Land, das wegen seines Angriffskrieges gegen die Ukraine bei Olympia nicht zugelassen ist und sich nur von einigen Sportlern mit neutralem Status vertreten sieht.
Die Disqualifikation von Heraskewytsch zeige, dass jene, die Sportveranstaltungen als Plattform für politische Propaganda nutzen wollten, einen Dämpfer erhielten, lobte der Vizevorsitzende im Sportausschuss des Parlaments, Amir Chamitow. «Die Regeln gelten für alle», sagte der Duma-Abgeordnete der russischen Staatsagentur Tass. «Natürlich ist das für solche Teilnehmer eine unangenehme Erkenntnis, aber hier muss man sich entscheiden: Ist man Sportler oder politischer Agitator?», sagte er.
Heraskewytsch wollte trotz eines Verbots und mehrfacher Warnungen des IOC nicht auf das Tragen des Helms mit Bildern von im Krieg gegen Russland getöteten Sportkollegen in der olympischen Entscheidung verzichten. Das IOC und der zuständige Weltverband stützten sich beim Ausschluss von Heraskewytsch auf die Richtlinien der Olympischen Charta, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Olympischer Spiele politische Botschaften während eines laufenden Wettbewerbs untersagt.
Kritik an IOC-Chefin Coventry
«Sport-Express» erwähnte prominent die Tränen der Chefin des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Kirsty Coventry, bei der Bekanntgabe der Entscheidung und kritisierte ihre Schwäche, die Bestrafung für das Vergehen nicht bis zum Ende durchgezogen zu haben. Vielmehr habe das IOC unter dem Druck der Empörung im Westen entschieden, dem «Provokateur» doch nicht die Akkreditierung zu entziehen und ihn nicht nach Hause zu schicken.
«Der Wunsch, alle Wogen zu glätten und es allen recht zu machen, könnte der ehemaligen Schwimmerin aus Simbabwe teuer zu stehen kommen», kommentierte das Blatt Coventrys Vorgehen. Das lasse befürchten, dass sie weiter einknicke. Die Taktik des Wegduckens «droht den Prozess der vollständigen Rückkehr Russlands (zu Olympia) um Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte zu verzögern», hieß es.
Russischer Skeleton-Olympiasieger von 2014 meldet sich
Heraskewytsch habe den Skandal von Anfang an sorgfältig geplant – auch vor dem Hintergrund, dass Coventry sich für eine Zulassung russischer Sportler einsetze und die Sanktionen fallen könnten, schrieb der «Sport-Express» weiter.
Der Skeleton-Olympiasieger von 2014, Alexander Tretjakow, meinte im Gespräch mit der Zeitung, dass der Ukrainer in einer Win-Win-Situation gewesen sei. «Entweder er setzt sich beim IOC durch oder er kehrt als Held nach Hause zurück. Eine kluge Strategie – er hat alles richtig gemacht. Er hat geschickt gespielt – vielleicht bekommt er einen Posten im ukrainischen Ministerium», sagte Tretjakow.
