Hertha BSC hat sechs Monate nach dem Skandalspiel vom April mit Platzsturm und Beinahe-Abbruch bei Dynamo seine Siegesserie unbeeindruckt fortgesetzt. In einem hochintensiven Duell auf dem Rasen des Rudolf-Harbig-Stadions kamen die Berliner zu einem 2:1 (1:1) und verteidigten die Tabellenspitze der 2. Fußball-Bundesliga vor dem 1. FC Nürnberg.
Allerdings geriet die Hertha in der 10. Minute durch Patrice Covic erstmal in Rückstand. Jón Dagur Thorsteinsson (29.) gelang aber der Ausgleich und auch der Siegtreffer (80.). Dynamo bleibt nach der vierten Niederlage im sechsten Spiel Vorletzter.
Die Vorgeschichte hatte Folgen – wenige Hertha-Fans
Mit 700 Fans hatten die Berliner auswärts gerechnet, der Großteil folgte einem Boykottaufruf wegen der Maßnahmen nach den Ausschreitungen im Rückspiel der vergangenen Saison. In ihrer Kurve, links und rechts davon große Pufferzonen mit freien gelben Sitzen, wirkten die mitgereisten Hertha-Anhänger gegen die Übermacht der Dynamo-Ultras dann auch ein bisschen wie auf verlorenem Posten. 29.122 Zuschauer waren insgesamt im Stadion.
Ein Dresdner Torschütze mit besonderer Hertha-Beziehung
Mit Wucht wollten die Dresdner ihre Profis zum Sieg brüllen – diesmal aber ohne skandalträchtige Vorfälle wie Anfang April. Die Partie stand damals kurz vor dem Abbruch, fast 20 Minuten war sie unterbrochen worden nach Pyro-Attacken und einem Platzsturm. Hertha hatte die Partie 1:0 gewonnen.
Diesmal gerieten die Berliner in Rückstand. Und das durch den Sohn von Ante Covic, immer noch als Trainer in Diensten des Hauptstadtclubs und einst sogar der Coach der ersten Mannschaft. Das Rudolf-Harbig-Stadion bebte. Nur, dass die Berliner auf dem Platz sich davon auch nicht sonderlich irritieren ließen.
Beeindruckend unberührt und spürbar gestärkt nach dem perfekten Start in die Saison spielten sich die Gäste immer weiter in die Hälfte der Dresdner. Nach nicht mal einer halben Stunde war es dann so weit: Thorsteinsson traf aus 16 Metern. Zuvor hatte es auf beiden Seiten gute Chancen gegeben.
Dynamo-Ultras mit Plakat-Attacke gegen DFB
Es war ein teilweise recht wildes Spiel mit vielen giftigen Zweikämpfen – auf jeden Fall unterhaltsam für ein Flutlicht-Topspiel am Abend. Die Dresdner Ultras befanden dazu auf einem Plakat nach der Pause: «Krawallspiel zur besten Sendezeit? – Stimmt das Geld, steht ihr bereit.» Dazu gab’s das DFB-Logo – rot umrandet und durchgestrichen.
Doch auf dem Rasen dominierte Hertha und hätte durch Gustaf Nilsson in Führung gehen müssen. Aus vier Metern löffelte er den Ball aber übers leere Tor. Ein Treffer von Oluwaseun Adewumi wurde vom Videoassistenten aberkannt. Doch auch die Dresdner hatten Chancen, nur sie nutzten sie nicht so eiskalt wie in der Schlussphase die Berliner durch Thorsteinsson.
