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Heike & Heike: Wie Drechsler und Henkel zueinander fanden

Berlin (dpa) –

Die eine war die «Heike Ost». Die andere die «Heike West». So gingen Heike Drechsler und Heike Henkel, Olympiasiegerinnen von Barcelona 1992, durch ihre erfolgreichsten Zeiten. Sie standen für zwei Sportsysteme. Nach außen und auch innen verband sie damals in der Nachwendezeit wenig. Mit über 60 Jahren haben die einstigen Leichtathletik-Stars nun ein gemeinsames Buch veröffentlicht: «Heike & Heike – Zwei Seiten einer Medaille.»

«Es ist auch als Anregung zu verstehen. Jeder kann unterschiedlich sein, aber im gegenseitigen Verstehen miteinander wachsen», sagen Heike Drechsler und Heike Henkel – auch mit Blick auf die derzeitige politische Landschaft in Deutschland, wo die jüngsten Wahlergebnisse oft spalten. «Wir haben unterschiedliche Wege, aber gemeinsame Ziele schaffen Nähe und Vertrauen.»

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«Hätten wir nicht für möglich gehalten»

Inzwischen halten die beiden Heikes gemeinsame Vorträge: die inzwischen in Berlin lebende Thüringerin Drechsler (61), groß geworden im staatlich organisierten Leistungssport der DDR. Und Henkel (62) aus Pulheim, einst für Bayer Leverkusen überaus erfolgreich.

«Dass wir beide, die sich damals nur aus der Ferne kannten, dann einmal
befreundet sein würden: Das hätten wir zu diesem Zeitpunkt,
jede für sich auf ihrer Seite, nicht für möglich gehalten», sagen die ehemalige Weitspringerin Drechsler und ehemalige Hochspringerin Henkel heute. 

«Jede in ihrer eigenen Welt»

Bei den ersten Sommerspielen nach der Wiedervereinigung sprangen sie in Barcelona 1992 in der gesamtdeutschen Mannschaft zu Gold. «Zwei Konkurrentinnen aus zwei Systemen, jede in ihrer eigenen Welt», sagt Henkel in dem Buch über die damalige Zeit. Die Weltmeisterin von 1991 saß 2000 in Sydney auf der Tribüne, als Drechsler ihren zweiten Olympia-Triumph überschwänglich feierte.

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In ihren öffentlichen Auftritten und Gesprächen zu dem Buch haben die beiden viele Gemeinsamkeiten entdeckt. «Am Ende ist der Unterschied nicht „ein System“ oder „kein System“, sondern es sind die Menschen, die wichtig sind. Die Familien zum Beispiel auch», sagt Henkel.

«Und das Verrückte daran: Ausgerechnet die zwei, die man ewig als
Ost-Heike und West-Heike gegeneinandergestellt hat, sitzen heute
zusammen am Küchentisch und lachen», erklärt Drechsler. «Vielleicht ist das die schönste Antwort auf all die Schubladen von damals. Und ein lebendiges
Beispiel auch für das, was wir vermitteln wollen.» 

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Rückblick auf das Thema Doping

Das Kapitel Doping spart das Duo nicht aus. Nach der Wende offenbarten Unterlagen aus der DDR-Dopingforschung, dass Drechsler in ihrer Jugendzeit unerlaubte Mittel eingenommen hat. Bis heute bestreitet die fünffache olympische Medaillengewinnerin, dies wissentlich getan zu haben. Dem gegenüber stand damals Henkel als Anti-Doping-Kämpferin. 

«Was später zum Thema Doping in der DDR rauskam, ließ teilweise
an „Versuchskaninchen“ denken. Die Ärzte bei uns hatten eine Verantwortung
für die Athleten und der sind sie nicht gerecht geworden», sagt Drechsler heute. 

Für Henkel reagierte einst «eine gewisse Scheinheiligkeit: Natürlich wurde auch im Westen gedopt, nur nicht so systematisch. Es gab immer wieder mal Sportler, die überführt wurden, dass sie unerlaubte Substanzen angewendet hatten, es gab Trainer, die subtil Druck auf Sportler ausübten, und es gab Ärzte, die die Mittel verordnet und verabreicht haben.»

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Im Osten hatte Doping für Drechsler dennoch «eine andere Dimension». Henkel berichtet, dass auch sie Gegenwind erhielt – für ihr öffentliches Engagement für sauberen Sport: «Ich habe sehr negative Mails bekommen, dass ich damit aufhören solle, so in der Öffentlichkeit zu reden, sonst würde man mir die Knochen brechen. Das waren echte Drohungen.»