Rom (dpa) –
Italiens Außenminister Antonio Tajani wird nach eigenen Angaben seit Tagen von Hackern angegriffen, die sensible persönliche Daten seiner Person und seiner Familie im Darknet veröffentlichten. «Dadurch setze ich mich neuen Bedrohungen und Einschüchterungsversuchen aus. Sie beziehen auch meine Familie mit ein und sind bereit, für weitere Details über mich und meine Angehörigen zu zahlen», schrieb Tajani auf der Plattform X. «Meine Reaktion ist sehr einfach: Ich lasse mich in keiner Weise einschüchtern», betonte er. Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni machte prorussische Hacker für die Angriffe verantwortlich.
Als Grund der Angriffe vermutet Tajani die Unterstützung Italiens für die von Russland angegriffene Ukraine. «Die Freiheit eines souveränen Staates zu verteidigen und sich klar für die Demokratie und Unabhängigkeit einer Nation einzusetzen, ist für diese kriminellen Akteure gefährlich», schrieb er.
Zeitung: Gruppe mit Kontakten zum russischen Geheimdienst GRU
Die italienische Tageszeitung «Il Fatto Cotidiano» berichtete, eine Hackergruppe namens «NoName057(16)», die mutmaßlich Verbindungen zum russischen Militärgeheimdienst GRU unterhalte, biete seit dem 26. Oktober Geld für Passwörter, Wohnadressen, Lebensläufe, private Telefonnummern und andere persönliche Daten von insgesamt 18 Personen an, die die Gruppe als Feinde Russlands bezeichne. Betroffen seien neben Tajani der italienische Staatsanwalt Francesco Lo Voi, der Leiter der Postpolizei, Ivano Gabrielli, und der Bürgermeister von Aviano, Paolo Tassan-Zanin.
Ansa: Auch Deutsche Amtsträger betroffen
Einem Bericht der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zufolge gerieten auch Deutsche und ein Österreicher ins Visier der Hackergruppe. In dem Bericht werden ein Frankfurter Staatsanwalt, der Präsident des Bundeskriminalamtes Holger Münch und ein deutscher Journalist sowie der österreichische Präsident der EU-Justizbehörde Eurojust, Michael Schmid, genannt. Die Angaben ließen sich zunächst nicht bestätigen.
Tajani betonte, er werde Kurs halten. «Ich werde weiterhin daran arbeiten, mein Ministerium und Italien zu verteidigen, und ich werde die Verbindungen und die Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten weiter stärken, damit wir uns gemeinsam schützen können», schrieb er.
Meloni bezichtigt prorussische Hacker
Meloni stärkte Tajani den Rücken und machte prorussische Hacker für die Angriffe verantwortlich. «Ich bekunde meine volle Solidarität mit Vizepremierminister Antonio Tajani angesichts der Enthüllungen über die Aktivitäten prorussischer Hacker und die Verbreitung seiner persönlichen Daten im Darknet», hieß es in einer schriftlichen Mitteilung der Regierungspressestelle in Rom. Derartige Machenschaften seien äußerst besorgniserregend und müssten mit aller Entschlossenheit bekämpft werden.
