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Strahlender Klopp fordert auch ohne Zeit «sofort mehr»

Herzogenaurach (dpa) –

Jürgen Klopp strahlte, als er als Empfangschef den ersten Teil seines XXL-Kaders um den glücklichen Rückkehrer Marc-André ter Stegen und die vielen neugierigen DFB-Frischlinge wie Philipp Treu mit einem kräftigen Handschlag im Homeground begrüßen konnte. 

Beim Treffpunkt der ersten 24 Spieler im Stammquartier in Herzogenaurach kam sogar die Sonne zum Vorschein. Das passte perfekt zur Aufbruchstimmung, die der neue Bundestrainer nach dem nächsten WM-Flop nicht nur bei der Fußball-Nationalmannschaft, sondern im gesamten Land auslösen will. 

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Mit Volldampf auf dem Trainingsplatz loslegen konnte Klopp freilich nur mit einer Kleingruppe mit den Bayern-Profis um Kapitän Joshua Kimmich und Jamal Musiala sowie Kevin Schade. Der Stürmer hatte mit dem FC Brentford ebenso wie der FC Bayern schon am Freitagabend sein Ligaspiel bestritten. Da schaute auch der von seiner schweren WM-Verletzung genesene Nico Schlotterbeck zu. 

Erstes Training mit Münchner Kleingruppe 

Das erste, komplette Teamtraining findet erst am Dienstagnachmittag statt. Es gab erst einmal andere Dinge zu erledigen. «Wenn man mir gesagt hätte, wir treffen uns montags und der erste Termin ist mittags ein Foto-Shooting, hätte die junge Version von mir den Laden auseinandergenommen. Die erfahrene Version denkt, dann planen wir den Rest einfach außen rum», sagte der 59 Jahre alte Chefcoach zu den auch notwendigen Marketing-Maßnahmen.  

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Klopp ist als Nagelsmann-Nachfolger bei seinem Powerstart mit gleich vier Spielen in der Nations League – beginnend am Donnerstag (20.45 Uhr/RTL) in Amsterdam gegen Erzrivale Niederlande – direkt als Pragmatiker gefordert.

«Hätte ich gerne mehr Zeit mit der Nationalmannschaft? Ja! Habe ich sie? Nein!», hatte Klopp bei der Bekanntgabe seines 44-Mann-Kaders für den Aufbruch in eine neue Zeit gesagt. Und pragmatisch hinzugefügt: «Keine Zeit zu haben, ist im Fußball völlig normal.» Trainer und Team erwartet ein Crash-Kurs.

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Adeyemi fängt an – Karl in Woche zwei

Zum Pragmatismus gehört auch ein personeller Tausch in seinem zweigeteilten Kader. Der von Klopp in die DFB-Auswahl zurückgeholte Ex-Dortmunder Karim Adeyemi, der beim FC Barcelona einen bemerkenswerten Start hingelegt hat, ist anstelle von Bayern-Youngster Lennart Karl in der ersten Woche mit dem Topspiel gegen die Niederlande und dem ersten Klopp-Heimspiel drei Tage später in Augsburg gegen Griechenland dabei. 

Der 18-jährige Karl, der seine erste WM im Sommer wegen einer in den USA kurz vor dem Turnierstart erlittenen Muskelverletzung verpasst hatte, wechselt dafür in den zweiten Kader für die Partien am 1. Oktober in München gegen Serbien sowie drei Tage darauf in Thessaloniki wieder gegen die Griechen. 

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Den Tausch begründete der DFB mit «Belastungssteuerung». Karl hatte schon beim 7:0-Torfest des FC Bayern gegen Union Berlin 90 Minuten auf der Bank gesessen. Der Kader-Wechsel ändert freilich nichts an Klopps Wochenplänen. 

«Wir haben keine A- oder B-Mannschaft gemacht. Wir wollen – und das ist im Fußball normal – alle vier Spiele gewinnen. Das heißt nicht, dass wir davon ausgehen, dass es so kommen wird. Aber die Kader sind darauf ausgerichtet, dass es gut zusammenpasst, von den Positionen her, von den Charakteren her, von der Anzahl der erfahrenen und der jüngeren Spieler her», erklärte Klopp. 

Gleich 16 Profis ohne Länderspieleinsatz sind dabei. Darunter viele noch weiterhin unbekannte Perspektivspieler für die EM 2028 und sogar schon die WM 2030, die Klopp in den zwei Wochen kennenlernen möchte. Und die auch ihn kennenlernen sollen. 

Neuling Keidel und der erste Klopp-Kontakt: «Du» statt «Sie» 

Der Elversberger A-Team-Debütant Felix Keidel berichtete von seinem ersten Telefonat mit dem Bundestrainer und einem gleich lockeren Umgang. «Er hat mich gefragt, wie es mir geht», erzählte Keidel. «Da habe ich gesagt: Mir geht es gut. Und Ihnen?» Da hat er aber direkt gemeint: «Ihnen soll ich lassen oder Sie. Ich bin Du oder Jürgen.» 

Der lockere Umgangston heißt freilich nicht, dass Klopp nicht mit einer sehr klaren Erwartungshaltung in seine historisch große Spielersichtung geht: «Wir werden alles versuchen, um eine neue Herangehensweise sichtbar zu machen. Das kann ich versprechen! So schnell wie möglich! Ich erwarte sofort mehr!» 

Probleme? «Wir arbeiten nur an Lösungen»

Und Klopp, der das nächste frühe WM-Scheitern der DFB-Auswahl unter Julian Nagelsmann in Amerika als TV-Experte kritisch begleitet hatte, verbreitet drei Monate später einen ansteckenden Optimismus: «Man konnte nach der WM das Gefühl haben, dass wir im deutschen Fußball kein Talent haben. Als wir jetzt genauer draufgeschaut haben, ist uns ganz viel Talent ins Auge gesprungen.»

Klopp betont – ganz pragmatisch – einfach den Reiz des Neuen. «Das Coole daran, wenn man neu ist, ist, es gibt gar keine Probleme. Sondern wir arbeiten nur an Lösungen.» Gleich vier braucht er zum Start: für Holland, Serbien und zweimal Griechenland.