Wann immer über Laura Kluge gesprochen wird, fangen Deutschlands Eishockey-Nationalspielerinnen an zu strahlen. Und gesprochen wird gerade viel über die 29 Jahre alte Berlinerin. Die Stürmerin von Boston Fleet aus der nordamerikanischen Profiliga PWHL führt zum Ende der Vorrunde bei den Olympischen Winterspielen in Mailand die Scorerwertung des Turniers an. «Laura ist im Moment einfach on fire. Es ist super cool, mit ihr in einer Reihe zu spielen», sagte Mitspielerin Emily Nix.

Dass das Frauenteam des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) erstmals überhaupt am Samstag in einem Olympia-Viertelfinale antritt, hat sehr viel mit Kluges Leistung bislang in Mailand zu tun. Drei Tore und vier Vorlagen sammelte die flinke Angreiferin in den vier Spielen bislang – an sieben der zehn deutschen Tore in Mailand war Kluge direkt beteiligt. 

DEB-Team mit Kluge eine Klasse besser

«Sie ist so wichtig für unser Team. Sie bringt sehr viel Schnelligkeit und Technik mit», sagte Abwehrspielerin Ronja Hark, die zusammen mit Kluge Assistentin von Kapitänin Daria Gleißner ist. «Als Team sind wir mit ihr einfach eine Klasse besser.» 

Wenn nichts mehr geht, ist auf Kluge Verlass. Das letzte Gruppenspiel gegen Italien war zerfahren. Die Olympia-Gastgeberinnen kämpften hart gegen den Favoriten aus Deutschland und provozierten Fehler. Bis kurz vor dem Spielende stand es im Kampf um den zweiten Platz in der Gruppe 1:1, als Kluge sich den Puck schnappte und alleine aufs italienische Tor zufuhr. In dem Moment schaute Gleißner schon gar nicht mehr hin. Das Spiel war für sie entschieden. «Ich habe die Laura da laufen sehen und dachte: That’s it», sagte Gleißner später lachend. Auch bei ihr leuchten die Augen, wenn sie über die deutsche Unterschiedsspielerin spricht. 

Und es war es dann tatsächlich. Mit einer geschickten Körpertäuschung, die an Kanadas Männer-Superstar Connor McDavid erinnerte, verlud Kluge Torhüterin Gabriella Durante und entschied das Spiel. «Der Vergleich freut mich natürlich», sagte Kluge später lachend auf McDavid angesprochen. 

Erstliga-Debüt mit 15 Jahren

Dass sie bei Olympia so im Fokus steht, ist sie aus Nordamerika gar nicht gewohnt. In Boston ist Kluge eine unter vielen. Beim Tabellenführer der PWHL kommt sie in bislang 13 Spielen auf gerade eine Torvorlage. «Ich denke darüber nicht nach. Ich habe in Boston eine ganz andere Rolle als hier», sagte die Berlinerin, die mit 14 Jahren einst für die Eisbären Berlin in der höchsten deutschen Liga debütierte. 

Inzwischen ist Kluge, eine von drei PWHL-Spielerinnen aus dem deutschen Olympia-Kader, Vorbild für viele. Unter anderem die erst 16 Jahre alte Mitspielerin Mathilda Heine will ihr nacheifern und ebenfalls den Sprung nach Nordamerika wagen. Und Kluge geht im Team voran und sieht die DEB-Auswahl auch in der K.o.-Runde gegen die Top-Nationen nicht chancenlos. «Wenn man nicht dran glaubt, hat man schon verloren», sagte sie. Selbst Olympiasieger Kanada sei «an einem schlechten Tag schlagbar – und man weiß nie, wann dieser Tag kommt».