Eisschnelllauf-Hoffnung Finn Sonnekalb reagierte nur mit einem Kopfschütteln auf seinen enttäuschenden 13. Platz über 1.500 Meter. Seine ersten Olympischen Winterspiele hatte sich der 18-Jährige ganz anders vorgestellt. Auch der größte Hoffnungsträger der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) seit langem konnte die nun schon 16 Jahre dauernde medaillenlose Zeit bei Olympia nicht beenden.

Nach Infekt in der Medaillenentscheidung ohne Chance

Sonnekalb fing sich zu Beginn der Winterspiele einen Infekt ein. «Ich bin auf jeden Fall noch nicht bei 100 Prozent», sagte der Youngster, der nach dem 1.500-Meter-Rennen immer noch angeschlagen wirkte. Immerhin die Zukunft dürfte dem Thüringer gehören. Mit «Wut im Bauch» gehe er die nächsten vier Jahre bis zu den Olympischen Spielen in den französischen Alpen 2030 an, sagte Sonnekalb.

Die Enttäuschung über den Verlauf bei seinen ersten Winterspielen war dennoch groß. Sein Leistungspotenzial konnte der Junioren-Weltrekordhalter über 1.500 Meter wie schon bei seinem zwölften Platz über 1.000 Meter nicht abrufen. «Wir wissen alle, wenn alles perfekt läuft und wenn er auch eine optimale Vorbereitung gemacht hätte, dann wäre er auf jeden Fall in Medaillennähe gewesen», sagte DESG-Sportdirektorin Nadine Seidenglanz der Deutschen Presse-Agentur bereits vor dem Rennen.

Der Youngster hatte über seine Paradestrecke nicht den Hauch einer Chance. Den Sieg holte sich vollkommen überraschend der Chinese Ning Zhongyan mit einer olympischen Rekordzeit von 1:41,98 Minuten. Der 26-Jährige entzauberte damit auch US-Dominator Jordan Stolz, der über 500 und 1.000 Meter gewann und sich dieses Mal mit dem zweiten Platz begnügen musste.

Achte Plätze als beste Einzelergebnisse

Von einem zweiten Rang können die deutschen Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer nur träumen. Das beste Einzelergebnis vor den abschließenden Massenstarts am Samstag erzielten Sophie Warmuth über 500 Meter sowie Maira Jasch über 5.000 Meter. Sie wurden jeweils Achte, waren von den Medaillenrängen aber ein ganzes Stück entfernt. Auch mit dem erhofften Einzug ins Halbfinale der Teamverfolgung der Frauen wurde es nach einem Stolperstart im Viertelfinale nichts.

Seidenglanz hofft, dass es 2030 bei den Winterspielen in den französischen Alpen besser läuft. «Da hoffe ich, dass wir breiter im Medaillenkampf aufgestellt sind – und natürlich auch mit Finn», sagte sie und fügte hinzu: «Wenn man immer nur auf einen setzt, macht man sich natürlich relativ anfällig.» Man sei mit einem jungen Team in Mailand gewesen. Dieses habe Erfahrungen für die nächsten Winterspiele sammeln können, äußerte Seidenglanz.

Bericht über Dachverband sorgt für Wirbel

Zu Beginn der olympischen Wettbewerbe hatte ein «Sportschau»-Bericht über angebliche Unregelmäßigkeiten bei der DESG und ein belastetes Verhältnis zwischen einigen Athleten und der Verbandsspitze für Unruhe gesorgt. Die DESG-Führung äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen und kündigte eine Pressekonferenz nach den Winterspielen an, bei der sie umfassend zu dem Bericht Stellung nehmen werde.

Seidenglanz verwies ebenfalls auf den Medientermin und äußerte, dass man versucht habe, das Thema «so viel wie möglich von den Athleten fernzuhalten». «Die Message war dabei eben ganz klar: Wir fokussieren uns hier auf den Sport. Dafür sind wir hier. Dafür haben wir vier Jahre lang wirklich sehr hart gearbeitet, alle zusammen mit dem gesamten Team, was hier ist.»

Kanzleramt prüft Vorgänge

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte erklärt, er sei nach der Berichterstattung sensibilisiert. Die Dachorganisation erwarte von ihren Mitgliedsverbänden, «dass sie sich im Rahmen der rechtlichen Vorgaben bewegen sowie ihre eigenen Satzungen und Regelungen und dabei die Grundsätze der guten Verbandsführung einhalten», hieß es weiter.

Das Haus von Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) bestätigte, dass die DESG «bereits seit längerer Zeit intensiv» durch Bundesinnenministerium, Bundeskanzleramt und Bundesverwaltungsamt begleitet werde.