Mit großer Zuversicht starten die deutschen Handballer ihre Medaillen-Mission bei der 17. Europameisterschaft. Bei dem Turnier vom 15. Januar bis 1. Februar soll das erste EM-Edelmetall seit dem Gold-Triumph vor zehn Jahren her.
«Wir sind deutlich stabiler als in den vergangenen Jahren und die Stimmung bei den Jungs ist wirklich gut», sagte Bundestrainer Alfred Gislason nach dem bestandenen EM-Härtetest mit zwei Siegen gegen den WM-Zweiten Kroatien. Die Deutsche Presse-Agentur beantwortet die wichtigsten Fragen zur Endrunde.
Wo findet die EM statt?
Zum zweiten Mal nach 2020 wird das Kontinentalturnier mit 24 Mannschaften gleich in drei Ländern ausgetragen: Dänemark, Norwegen und Schweden. Die DHB-Auswahl bestreitet ihre Vor- und Hauptrundenspiele in der 15.000 Zuschauer fassenden Jyske Bank Boxen im dänischen Herning, wo auch die Halbfinals und die Medaillenspiele stattfinden. Weitere Spielorte sind Norwegens Hauptstadt Oslo sowie Malmö und Kristianstad in Schweden.
Auf wen trifft die deutsche Mannschaft?
Das Team von Bundestrainer Alfred Gislason bekommt es in der Vorrunde mit Österreich, Serbien und dem zweimaligen Europameister Spanien zu tun. Im Falle des fest eingeplanten Weiterkommens drohen in der Hauptrunde Duelle mit Olympiasieger und Weltmeister Dänemark, Titelverteidiger Frankreich, dem WM-Vierten Portugal und Norwegen.
Wie ist der EM-Modus?
Zunächst wird in sechs Gruppen mit jeweils vier Teams gespielt. Die jeweils zwei besten Mannschaften erreichen die Hauptrunde, in der es in zwei Sechser-Gruppen weitergeht. Aus diesen qualifizieren sich der Erste und Zweite für das Halbfinale.
Mit welchen Aussichten tritt die DHB-Auswahl an?
Für Gislason ist es «mit dieser Gegner-Konstellation wahrscheinlich das schwierigste Turnier bisher». Dennoch hat der 66 Jahre alte Isländer als EM-Ziel das Halbfinale ausgegeben. «An guten Tagen können wir jeden Gegner schlagen», bekräftigte der Bundestrainer.
Schöpft die deutsche Mannschaft um Torwart-Titan Andreas Wolff, Spielmacher Juri Knorr und Kapitän Johannes Golla ihr Potenzial aus, ist eine Medaille drin. «Es könnte von Vorteil sein, dass wir eine junge Mannschaft haben, die zwischen den Spielen vielleicht schneller regeneriert und im Turnierverlauf stärker wird», sagte DHB-Boss Andreas Michelmann zu den Aussichten.
Hat Deutschland schon einmal die EM gewonnen?
Ja, sogar zweimal. 2004 wurde im Finale Gastgeber Slowenien mit 30:25 besiegt. Der vorerst letzte Triumph gelang vor zehn Jahren bei der Endrunde in Polen. Damals setzte sich das DHB-Team im Endspiel gegen Spanien mit 24:17 durch. Aus dem aktuellen Kader war damals schon ein Trio dabei: Torwart Andreas Wolff, Kreisläufer Jannik Kohlbacher und Linksaußen Rune Dahmke.
Wer holte die meisten Titel?
Rekord-Europameister ist Schweden. Seit der Premiere 1994 triumphierte das Drei-Kronen-Team fünfmal. Frankreich gewann viermal EM-Gold. Jeweils zweimal jubelten wie Deutschland auch Dänemark und Spanien.
Wer sind die Favoriten?
Heißester Gold-Anwärter ist Dänemark mit Welthandballer Mathias Gidsel vom deutschen Meister Füchse Berlin. Der Weltmeister und Olympiasieger stellt derzeit das beste Team und kann zudem auf den Heimvorteil bauen. «Dänemark ist eine überragende Macht», sagte Michelmann. Und Gislason ergänzte: «Die Dänen sind allen anderen Mannschaften voraus.»
Für die Medaillen kommen etliche Mannschaften infrage: Titelverteidiger Frankreich, der WM-Zweite Kroatien, der WM-Vierte Portugal, Co-Gastgeber Schweden, Spanien und die deutsche Auswahl. Doch auch Nationen wie Ungarn, Slowenien, Norwegen oder Island werden Chancen eingeräumt.
Wo können die Fans die EM verfolgen?
Die öffentlich-rechtlichen TV-Sender ARD und ZDF übertragen alle Endrundenspiele der DHB-Auswahl live. Wer das komplette EM-Programm will, ist beim Streamingdienst Dyn richtig. Dort kann man sich für 15 Euro einen EM-Pass kaufen und alle 65 Turnierbegegnungen sehen.
Welche Experten sind bei den Übertragungen im Einsatz?
Bei der ARD sind erneut Dominik Klein und Johannes Bitter, beide Weltmeister von 2007, dabei. Das ZDF setzt einmal mehr auf die Expertise von Ex-Nationalspieler Sven-Sören Christophersen.
Bei Dyn bewerten wie gewohnt Handball-Ikone Stefan Kretzschmar, die ehemaligen Nationalspieler Pascal Hens, Michael Kraus, Tobias Reichmann und Silvio Heinevetter sowie Frankreichs Welt- und Europameister Kentin Mahé die Auftritte der DHB-Auswahl und das Geschehen drumherum. Neu im Expertenteam sind die noch aktiven Bundesliga-Profis Fabian Wiede, Timo Kastening und Leif Tissier, die frischgebackene Vize-Weltmeisterin Antje Döll und Florian Kehrmann, Trainer des Bundesliga-Dritten TBV Lemgo.
