Der berufliche Erfolg stagniert und irgendwie geht nichts mehr weiter. Das frustriert. Ein Plan muss her – oder? Schließlich sind Lebensläufe, Zieldefinitionen, Bewerbungs- oder Performancegespräche entscheidend, damit es weitergeht.

Ganz im Gegenteil, meint Coachin und Autorin Felicitas Birkner. Gehen Sie erst einmal in sich und nehmen Sie den Druck raus, rät sie. Sie spricht lieber von einem «Karrierekompass».

Coachin Cordula Nussbaum warnt sogar davor, das Wort «Plan» zu verwenden und einen solchen machen zu wollen. «Ein Plan wirkt oft unveränderlich und die Menschen sind enttäuscht, wenn er scheitert», so die Expertin für Zeitmanagement. 

Karriere als Lernreise begreifen

Sollte man sich also besser von jeglicher Art von Struktur und Planung verabschieden? Nein. Es ergibt durchaus Sinn, Fragen und Leitsätze zur Karriere festzuhalten. Dabei sollte es aber eher um Orientierung und Reflexion persönlicher Entwicklung sowie Entfaltung von Potenzialen gehen. 

«Innere Klarheit, Wertebewusstsein und Kompetenz für Zukunftswege treffen zusammen und machen Karriere zu einer Lernreise der Persönlichkeit: mit Kurven, Pausen und Neuanfängen», sagt die Trainerin, Coachin und Autorin Felicitas Birkner.

Bewusst gestalten – so geht’s

«Planung dient hier der Navigation und ist für alle die relevant, die bewusst gestalten wollen, statt getrieben zu werden», sagt Birkner. Eine gute Planung helfe, Entscheidungen sinn- und werteorientiert zu treffen, fokussiert und emotional stabil zu bleiben, auch, wenn der Wind der Veränderung wehe. 

Klingt gut, aber abstrakt. Konkret könnte das so aussehen: Überlegen Sie, wo Sie in einem Jahr stehen möchten. Alter und familiäre Situation spielen eine Rolle, ebenso ob man Berufsanfänger ist oder sich neu orientieren will. Was wollen Sie in einem Jahr noch tun oder nicht mehr tun? Klären Sie auch, was Sie im Beruf nicht wollen.

Cordula Nussbaum rät, Gedanken schriftlich festzuhalten. Fällt das schwer, könne man seine Gedanken auch visualisieren. Auch Birkner empfiehlt beispielsweise ein Visionboard. Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt: schreiben, malen, kleben, Farben, Notizen, Zeitungsausschnitte. Es soll kein starres Dokument, sondern ein lebendiger Rahmen für persönliche Entwicklung werden, sagt sie.

Stellen Sie sich jede Menge Fragen

Lassen Sie das Jahr Revue passieren und fragen Sie sich: Was habe ich erlebt, gelernt, mitgenommen? Was soll in Zukunft kommen? Was habe ich noch nie gemacht, würde es aber gerne tun? Welche drei Personen möchte ich kennenlernen? Was interessiert mich an ihnen? Was möchte ich Neues lernen und was brauche ich dafür? Welche Muster beabsichtige ich aufzulösen? Habe ich dafür Vorbilder, von denen ich lernen kann?

Wichtig für den Arbeitsalltag: Wie will ich arbeiten, kreativ oder routiniert? Will ich initiieren oder abarbeiten? Wie sieht mein idealer Tagesablauf aus? In einer Tabelle notieren Sie, was Ihnen wichtig ist. In die zweite Spalte kommt, was im Beruf zählt. Gleichen Sie beide Spalten auf Übereinstimmungen ab.

Ebenso können Sie darüber nachdenken, was Sie bislang nicht können, aber lernen wollen. Wer will ich sein? «Seien Sie ehrlich zu sich selbst, realistisch und mit offenem Blick auf Fähigkeiten, die Sie noch brauchen und Chancen, die sich bieten», sagt Birkner, die Mitglied im Deutschen Verband für Coaching und Training (dvct) ist.

Mit ein paar Antworten im Gepäck loslaufen

Kennen Sie Ihre Stärken, Potenziale, Wünsche und Ziele, dann gilt: loslaufen und machen. «Türen öffnen sich, sobald man unterwegs ist», sagt Nussbaum, ebenfalls Mitglied im dvct. Man entdeckt neue Leute und Themen, neue Möglichkeiten tun sich auf. Bewahren Sie sich Flexibilität und pflegen Sie Ihr Netzwerk. Karriere kann auch bedeuten, Dinge loszulassen. 

Und: Man muss nicht alles alleine schaffen. Manchmal braucht es mehr Wissen, vielleicht gibt es jemanden im Netzwerk, der oder die darüber verfügt. Oder befragen Sie eine Künstliche Intelligenz, um Ihr Ziel zu erreichen. «Nutzen Sie Sparringspartner – sei es ein Coach oder Mentor, Freunde oder Kollegen oder Familienmitglieder zum Austausch», sagt Birkner. Diese Personen sollten motivieren und Mut machen. «Trauen Sie sich, Hilfe anzunehmen», sagt Birkner.