Philipp Raimund jubelte bei der Siegerehrung, Andreas Wellinger war gleichzeitig erleichtert und euphorisiert. Die deutschen Skispringer sind kurz vor Olympia zurück in der Weltspitze. «Es war ein sehr geiles Wochenende», sagte Wellinger im ZDF, und der drittplatzierte Raimund erklärte resümierend: «Ein cooles Ergebnis. Willingen war schön für uns.» Mit einem unerwarteten Schub reisen die zuletzt arg gebeutelten Adler des Deutschen Skiverbands nun nach Italien.

Geiger beendet eine Serie und fehlt bei Olympia

«Es war enorm wichtig für uns, jetzt hier so ein Wochenende abzuliefern», sagte Bundestrainer Stefan Horngacher. Raimunds dritter Platz, Wellingers bestes Saisonergebnis mit Rang sechs am Samstag und der wieder verbesserte Felix Hoffmann machen Mut für den Saisonhöhepunkt.

Kurios: Ausgerechnet der nicht für Olympia nominierte Geiger hatte den deutschen Springern am Samstag mit Platz drei den ersten Einzel-Podestplatz im Jahr 2026 beschert. Bei ihm und vor allem bei Wellinger, der am Sonntag Achter wurde, sah man sofort die Effekte der unverhofften Leistung.

Wellinger jubelte, lachte und wirkte so glücklich wie lange nicht mehr beim Skispringen. Nach einem fulminanten Flug auf 150,5 Meter reckte er den Zeigefinger gen Himmel und grinste breit.

Hoffmann: «Selbstvertrauen kommt rein»

«Nach der langen beschissenen Saison endlich mal wieder so einen Wettkampf rauszuhauen, tut extrem gut», hatte er mit Blick auf sich selbst und Teamkollege Geiger bereits am Samstag gesagt. «Das war unser bester Wettkampf in diesem Jahr», erklärte Horngacher.

In beiden Einzeln schafften es jeweils drei Deutsche in die Top Ten. Ein solches Ergebnis schien noch vor wenigen Tagen undenkbar. Auch Platz zwei im Mixed-Team am Freitag von Geiger, Raimund, Agnes Reisch und Selina Freitag zeigt den positiven Trend. «Das Gefühl wird wieder besser, Selbstvertrauen kommt rein», sagte Hoffmann, der selbst Vierter und Zehnter wurde.

Wellinger: «Lohn für die harte Arbeit»

Der 28-Jährige, Raimund, Pius Paschke und Wellinger vertreten das deutsche Team bei den Winterspielen. Geiger hatte die Qualifikation verpasst. «Unglaublich», sagte der Oberstdorfer nun zu seinem plötzlichen Leistungsschub. «Vom Podest war ich so weit weg die letzten Wochen.»

Das war auch bei Wellinger so. «Es ist endlich mal wieder der Lohn für die harte Arbeit.» Gerade noch rechtzeitig vor dem Saisonhöhepunkt in Predazzo zeigen er und seine Kollegen, wie verrückt ihr Sport ist und dass man sie nicht abschreiben darf.

Deutsche Springerinnen mit Medaillenchancen

Für die deutschen Skispringerinnen gilt das sowieso. Selina Freitag, Agnes Reisch und Katharina Schmid in ihrer letzten Saison zählen zu den Medaillenkandidatinnen. Alle drei schafften es in diesem Winter schon auf das Podest. Vor allem Freitag springt konstant auf einem sehr hohen Niveau.

Die Topfavoriten kommen sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern allerdings aus Slowenien. Nika Prevc führt den Gesamtweltcup der Springerinnen souverän an, ihr Bruder Domen Prevc liegt bei den Männern vorne. Beide zeigten auch in Willingen ihre Klasse.

Für die Athletinnen von Bundestrainer Heinz Kuttin geht es am 7. Februar in Italien erstmals um Olympia-Edelmetall. Bei den Männern werden zwei Tage später die ersten Medaillen vergeben.