Top-Start in die Medaillen-Mission: Dank eines Abwehrbollwerks mit Torwart-Titan Andreas Wolff als starkem Rückhalt haben Deutschlands Handballer das EM-Auftaktspiel gegen Österreich mit 30:27 (12:8) gewonnen und Kurs auf die Hauptrunde genommen. Vor 5.820 Zuschauern im dänischen Herning war Kapitän Johannes Golla mit sieben Toren bester Werfer für das Team von Bundestrainer Alfred Gislason.
Am Samstag geht es für die DHB-Auswahl an gleicher Stelle gegen Serbien weiter, ehe es zum Vorrundenabschluss am Montag zum Duell mit Spanien kommt. Der zweimalige Europameister setzte sich zum Auftakt gegen die Serben mit 29:27 durch. Für das Erreichen der Hauptrunde muss mindestens Platz zwei in der Gruppe A her.
«Wir haben eine super Abwehr gestellt das ganz Spiel über», sagte Rückraumspieler Marko Grgic in der ARD, «das Prunkstück war die Abwehr.» Man habe aber zu viele freie Würfe vergeben, jedoch über die 60 Minuten gesehen verdient gewonnen. Und Bundestrainer Gislason meinte: «Erstmal bin ich zufrieden mit dem Sieg, dass wir gewonnen haben. Wir haben eine überragende Abwehr gesehen, das ganze Spiel eigentlich. Diese Abwehr macht mir sehr viel Spaß. Aber im Angriff müssen wir uns steigern.»
Wolff-Worte sorgen vor Anpfiff für Zündstoff
Vor dem Auftaktspiel gegen Österreich hatte Wolff die Stimmung mit kritischen Aussagen über den Spielstil des Nachbarn zusätzlich angeheizt. Dieser sei «unattraktiv» und von «Hässlichkeit» geprägt. «Das möchte auch eigentlich keiner sehen», hatte der Routinier gelästert.
Entsprechend motiviert ging Team Austria in die Partie, für die Gislason den verletzten Rückraumspieler Nils Lichtlein und Rune Dahmke aus dem Kader strich. Der Linksaußen vom THW Kiel ist neben Wolff und Kreisläufer Jannik Kohlbacher einer von nur noch drei Spielern, die schon beim EM-Triumph vor zehn Jahren dabei waren.
Anno 2026 soll es zumindest wieder eine Medaille geben. «Wir haben das Potenzial, ins Endspiel zu kommen», sagte Wolff vor dem EM-Start, bei dem der Weltklasse-Torwart sofort auf Betriebstemperatur war. Mit einigen Glanzparaden in der Anfangsphase war der 34-Jährige im Verbund mit der aggressiven Abwehr Garant dafür, dass Deutschland beim 4:1 nach zehn Minuten erst ein Gegentor kassiert hatte.
Torarme erste Halbzeit
Doch auch Österreich hatte mit Constantin Möstl vom Bundesliga-Dritten TBV Lemgo Lippe einen starken Keeper zwischen den Pfosten, sodass sich das DHB-Team nicht weiter absetzen konnte. Beim 6:6 (18.) war das kleine Polster dahin.
Auch in der Folge dominierten die Abwehrreihen. Beide Mannschaften mussten um jeden Treffer hart kämpfen. Nach gut zwanzig Minuten reagierte der Bundestrainer und brachte mit Juri Knorr, Miro Schluroff und Franz Semper frische Kräfte für das Angriffsspiel. Das zahlte sich aus.
«Jungs, es ist eine phänomenale Abwehr. Wir zermürben die», feuerte Gislason seine Schützlinge in einer Auszeit wenige Minuten vor der Pause beim Stand von 11:7 an. Mit einem Vier-Tore-Vorsprung ging es dann auch in die Kabine. «Ich bin mit der ersten Halbzeit sehr zufrieden», lobte Teammanager Benjamin Chatton in der ARD und fügte hinzu: «Ziel ist es, die Österreicher unter 20 Toren zu halten.»
Schreckmoment um Wolff
Daraus wurde zwar nichts, doch der deutsche Erfolg geriet nie ernsthaft in Gefahr. Beim 17:12 (39.) war Deutschland erstmals auf fünf Tore enteilt und ließ sich auch von einem kurzen Schreckmoment um Wolff nicht vom Siegkurs abbringen. Der Europameister von 2016 musste 20 Minuten vor Schluss nach einem Kopftreffer vom Parkett.
Sieben Minuten später kehrte Wolff gleich wieder mit einer Parade zurück. Am Ende hatte der Torwart vom deutschen Rekordmeister THW Kiel zwölf Würfe abgewehrt und somit großen Anteil am Erfolg des Olympia-Zweiten.
