Der Kommentator der Olympia-Eröffnungsfeier im italienischen TV-Sender Rai hat für seinen Einsatz Hohn, Spott und heftige Kritik geerntet. Paolo Petrecca, der Sport-Chef der Rai, hatte am Freitagabend bei der Live-Übertragung aus dem Mailänder San-Siro-Stadion reihenweise Leute während der Show verwechselt oder nicht erkannt. Zudem fiel er vielen Zuschauerinnen und Zuschauern durch Bemerkungen voller Stereotypen negativ auf.

Petrecca hatte unter anderem die bekannte, italienische Schauspielerin Matilda De Angelis mit US-Star Mariah Carey verwechselt. Als Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella eingeblendet wurde, hielt der Kommentator die daneben stehende IOC-Präsidentin Kirsty Coventry für Mattarellas Tochter Laura.

Seitenhieb von prominentem Fackelträger – Kritik von Gewerkschaft

Gegen Ende der Show wurde das olympische Feuer von drei Volleyballerinnen und drei Volleyballern – darunter amtierende Doppel-Weltmeister und Olympiasiegerinnen – aus dem Stadion getragen, doch Petrecca erkannte nur eine der Spielerinnen. «Danke den Kommentatoren», schrieb Simone Giannelli, ein Topstar und zweimaliger WM-Gold-Kapitän, dazu bei Instagram.

Am Tag nach der Feier meldete sich sogar die für Rai-Angestellte zuständige Gewerkschaft (Usigrai) und sprach von einer «Blamage». Laut Medienberichten kritisierten die Arbeitnehmervertreter Petrecca dafür, «sich den Job selbst gegeben und dann gezeigt zu haben, völlig ungeeignet dafür zu sein».

Kurzfristiger Austausch des Kommentators

Eigentlich sollte der erfahrene und bekannte TV-Kommentator Auro Bulbarelli die Eröffnungsfeier für die Rai begleiten. Weil dieser aber wenige Tage vor der Show verriet, dass Staatspräsident Mattarella einen besonderen Auftritt bei der Feier als Trambahn-Passagier haben wird, wurde Bulbarelli der Job entzogen.

Der Kommentar Petreccas beschäftigte am Samstag gar die Politik. «Petrecca gewinnt die Goldmedaille für die größte TV-Schlampigkeit – konkurrenzlos. Eine olympische Blamage», teilten Vertreter der im Parlament oppositionellen Fünf-Sterne-Bewegung mit. Hintergrund ist, dass seit dem Amtsantritt der rechten Ministerpräsidentin Giorgia Meloni die Spitzen der öffentlich-rechtlichen Rai mit ihr gewogenen Funktionären besetzt wurden. Zahlreiche Journalisten verließen den Sender.