Magdeburg (dpa) –
Die CDU in Sachsen-Anhalt will dem Verdacht aus dem Weg gehen, aus ihren Reihen könnte es Stimmen für einen AfD-Ministerpräsidenten geben. Die mögliche Lösung: Die CDU-Abgeordneten verlassen vor der Abstimmung geschlossen den Saal. Das schlägt der geschäftsführende Vorstand der CDU-Landtagsfraktion den 15 Fraktionsmitgliedern vor, hieß es in einer Mitteilung. «Ein entsprechender Beschluss soll in der Fraktionsversammlung am Dienstag gefasst werden.»
Fraktionschef Sven Schulze und der parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Stefan Ruland, erklärten, die Vorwürfe gegen Mitglieder der CDU-Fraktion hätten Grenzen überschritten. Die Unterstützung für einen AfD-Kandidaten werde weiterhin ausgeschlossen.
Die «Mitteldeutsche Zeitung» berichtet, dass auch der Bundestagsabgeordnete Sepp Müller (CDU) dieses Vorgehen, den Saal zu verlassen, vorschlägt. Die Zeitung zitiert Müller: «Wer keinen Stimmzettel abgibt, dem kann hinterher niemand etwas unterstellen. Und keiner unserer Kollegen muss sich noch einmal einzeln befragen lassen, wie er abgestimmt hat.» Müller will bei einem Parteitag Anfang Dezember neuer CDU-Landesvorsitzender werden.
In der vergangenen Woche war der AfD-Abgeordnete Tobias Rausch mit 48 Ja-Stimmen zum Landtagspräsidenten gewählt worden. AfD und BSW haben zusammen 44 Abgeordnete. Es wurde darüber spekuliert, woher die weiteren vier Stimmen gekommen sein könnten. Der Verdacht fiel immer wieder auf die CDU, bei der die Abstimmungsempfehlung laut Schulze auf Enthaltung stand. In der Summe gab es bei der geheimen Wahl aber nur fünf Enthaltungen.
Rausch selbst befeuerte die Spekulationen, indem er auf die Frage, ob er auch von Abgeordneten der CDU gewählt worden sei, «Ja» sagte. Auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur, ob Ulrich Siegmund (AfD) bei der Wahl zum Ministerpräsidenten im Dezember ebenfalls mit diesen vier Stimmen aus der CDU-Fraktion rechnen könne, sagte Rausch, dies sei so abgesprochen. «Schlauer sind wir erst, wenn es passiert.»
Für Dezember hat Ulrich Siegmund, der die AfD bei der Landtagswahl zum Wahlsieg brachte, angekündigt, sich im Landtag der Wahl zum Ministerpräsidenten zu stellen.
