Max Langenhan rauschte mit Tempo 130 durch den Eiskanal, dann breitete er die Arme aus und verdrückte im Ziel Freudentränen. Trotz steifem Hals hat der Rodel-Weltmeister mit einer beeindruckenden Rekord-Show für den ersten deutschen Olympiasieg bei den Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo gesorgt. Langenhan fuhr mit vier Bahnrekorden in vier Läufen in einer eigenen Liga und feierte den größten Erfolg seiner Karriere.
Mit 0,596 Sekunden Vorsprung verwies der 26-Jährige im Einsitzer den Österreicher Jonas Müller auf Rang zwei. Dritter wurde wie schon vor vier Jahren in Peking der Italiener Dominik Fischnaller. Dabei hatte Langenhan vor dem Start der Rodel-Rennen noch eine Absage in Betracht gezogen, da er einen steifen Hals hatte. Der 1,90 Meter große Athlet biss sich durch und ist nach Platz sechs in Peking vor vier Jahren nun am Ziel seiner Träume.
Der Weltcupführende Felix Loch aus Berchtesgaden patzte mehrmals und musste sich bei seinen fünften Winterspielen mit Rang sechs begnügen. Nach dem Zieleinlauf wurde er von seinem Vater Norbert in den Arm genommen. Der Chemnitzer Timon Grancagnolo kam auf Rang neun.
Hackl nach Sturz von der Klinik an die Bahn
Das Gold-Duell zwischen Deutschland und Österreich konnte auch Rodel-Ikone Georg Hackl verfolgen, obwohl er am Vormittag beim Training der Frauen noch schwer gestürzt war und sich die Schulter ausgekugelt hatte. Er konnte die Klinik wieder verlassen und verfolgte das Finale dank schmerzlindernder Medikamente, die er vom österreichischen Verbandsarzt Stefan Neuhüttler bekommen hatte.
«Ich bin in eine Lücke dieses Steges geraten und in einen Schacht knapp zwei Meter in die Tiefe gestürzt. So gesehen hatte ich noch Glück im Unglück», meinte «Schorsch» Hackl, der 2022 vom deutschen Verband zu den Österreichern gewechselt war und mit drei Gold- und zwei Silbermedaillen der erfolgreichste Rodler der olympischen Geschichte ist. Zum Rennen war er wieder da. «Ich wurde medizinisch hervorragend versorgt und bekam gute Schmerzmittel. Es ist einigermaßen erträglich», sagte Hackl dem ZDF.
Drei Bahnrekorde von Langenhan
Vor dem Start der Rodelwettbewerbe stand für den 100-Kilo-Mann Langenhan sogar eine Absage im Raum, nachdem er seinen Hals kaum bewegen konnte. Dank langer Massagen konnte er sich doch noch auf seinen Schlitten setzen und fuhr in den ersten drei Läufen jeweils Bahnrekord in dem neu gebauten 1.445 Meter langen Eiskanal. Vor dem Finallauf baute er seinen Vorsprung auf Müller nochmal auf 0,294 Sekunden aus.
Zur Halbzeit war er nicht zufrieden. «Ich wollte hier bei Olympia vier perfekte Läufe hinlegen. Diese Chance wurde mir mit dem steifen Hals genommen. Ich war froh, dass ich den Hals überhaupt ein wenig bewegen konnte», sagte Langenhan. Notfalls müsse eine Spritze helfen, damit sich die Muskulatur entspannen könnte. Diese Option wollte er sich für den zweiten Wettkampftag oder für den Notfall aufsparen.
Bei aller Enttäuschung über sein eigenes Abschneiden lobte Loch die Leistung seines langjährigen Zimmerkollegen Langenhan. «Er ist einfach ein cooler Hund. Das hat er schon oft bewiesen», meinte der gebürtige Thüringer, der längst als Parade-Bayer gilt.
Familie und Fans feiern eine Woche
Langenhan, der am vorletzten Olympia-Tag am 21. Februar seinen 27. Geburtstag feiert, kommt aus der Party-Stimmung nicht mehr raus. Der Thüringer aus Ernstroda bei Friedrichroda hat eine riesige Fangemeinde dabei, dazu seine Eltern, seine vier Geschwister und seine Freundin Susanne. Allein 100 Fans verfolgten seinen Gold-Coup. Nach einem Zwischenstopp in Innsbruck sind die Fans noch eine Woche in Welsberg-Taisten im Pustertal. Sie haben extra einen großen Bus für die Reise in den Dolomiten angemietet.
Langenhan bezeichnet den Rückhalt als «Wahnsinn». Doch er weiß auch, sein Umfeld zu begeistern. «Er ist ein Teamplayer in einer Einzelsportart, nimmt sich ganz bewusst Zeit für Kinder, für Fans, für Sponsoren, ja für alle», sagte sein Manager Jens Roß der «Südthüringer Zeitung».
Wieder Olympia-Ärger für Loch
Für Topfavorit Felix Loch waren die Wettbewerbe eine Enttäuschung. Schon zur Halbzeit stellte der 36-Jährige seinen Schlitten zerknirscht in die Ecke. Die ersehnte Medaille bei seinen fünften Winterspielen war in weite Ferne gerückt. Im ersten und dritten Lauf fuhr er auf der Startrampe an die Bande. «Es war ein minimaler Streif, der kostet nicht so viel Zeit. Die Zeit verliere ich von oben nach unten», sagte Loch und haderte mit seinem Material: «Es scheint vielleicht nicht genau das richtige Set-up zu sein. Schade, dass es gerade bei Olympia passiert», sagte der Berchtesgadener.
Schon 2018 in Pyeongchang hatte er ein olympisches Rennen verpatzt. Vor dem Finallauf lag er in Führung, leistete sich dann einen Fehler in Kurve neun und verpasste so seinen olympischen Gold-Hattrick im Einzel nach seinen Siegen zuvor in Vancouver 2010 und Sotschi 2014. In Peking war er kraftlos Vierter geworden, nachdem ihn eine Corona-Infektion geschwächt hatte.
