Rudolf Scharping hat sich nach 20 Jahren an der Spitze des deutschen Radsport-Verbandes German Cycling verabschiedet. Der frühere Verteidigungsminister hatte bei der Bundeshauptversammlung in Würzburg nicht mehr für das Amt des Präsidenten kandidiert. Zu seinem Nachfolger wurde der Hamburger Wirtschaftsprüfer Bernd Dankowski gewählt. Der 61-Jährige hatte in den letzten beiden Jahren bereits als Vizepräsident fungiert.
«Ein Verband, der eine so große Tradition hat wie der deutsche Radsport, der muss auf seine Tradition und seine Wurzeln achten, aber er darf sich darin nicht erschöpfen, sondern muss immer besser werden», sagte der 77-jährige Scharping in Würzburg und appellierte: «Orientiert euch an den Mutmachern, nicht an den Miesmachern.» Scharping wurde von den Delegierten zum Ehrenpräsidenten ernannt.
Scharping und das Krisenmanagement
2005 hatte Scharping den Chefposten beim Bund Deutscher Radfahrer übernommen. Kurz darauf wurde der langjährige Politiker mit der größten Krise im deutschen Radsport nach den vielen Dopingskandalen konfrontiert. Als Folge verschwanden viele Rennställe und Radrennen von der Bildfläche.
«Vier, fünf Jahre stand das Krisenmanagement sicherlich im Fokus, aber der Rest war für mich persönlich eine sehr spannende und erfüllte Zeit. BDR-Präsident zu sein, das war für mich all die Jahre ein schönes, wenn auch manchmal stressiges Ehrenamt», sagte Scharping.
Annäherung zu Jan Ullrich
Die Verbindung zum Radsport hatte bei Scharping schon während seiner politischen Karriere bestanden. Zu den Hochzeiten des Teams Telekom hatte er sich auch an der Seite von Ex-Toursieger Jan Ullrich und Sprintstar Erik Zabel gezeigt. Später ging der Hobby-Radsportler auf Distanz zu Ullrich; erst im vergangenen Jahr kam es im Rahmen der deutschen Meisterschaften zur Annäherung mit dem früheren Radstar.
Beim BDR, der sich Ende des Jahres in German Cycling umbenannte, war Scharping stets unangefochten. Dieter Berkmann (2009) und Ex-Präsidentin Sylvia Schenk (2013) hatten in Kampfabstimmungen versucht, ihm die Präsidentschaft streitig zu machen. Am Ende setzte sich jeweils der einstige SPD-Chef durch. Dabei kamen ihm neben seinem rednerischen Talent auch die Kontakte in die Wirtschaft zugute, die dem BDR den einen oder anderen Sponsor bescherten. Auch die Zahl der Mitglieder ist unter Scharping beim deutschen Verband gestiegen.