Wenn Kinder von den Großeltern zurückkehren, bekommen Eltern oft Sätze zu hören wie: «Bei Oma darf ich das aber!» oder «Das ist so gemein». Solche Aussagen bringen Väter und Mütter dann oftmals ins Nachdenken. Sie grübeln und fragen sich: «Bin ich zu streng?» Oder: «Bin ich fair genug?»

In solchen Fällen rät Erziehungsberater und Buchautor Jan-Uwe Rogge den Eltern schon mal: «Ja, dann seid eben gemein!» Für den Experten ist das auch gar kein Problem. Denn Kinder sollen ruhig mit Unterschieden leben. «Sie erleben unterschiedliche Regeln, unterschiedliche Haltungen, unterschiedliche Beziehungen. Das ist kein Mangel, sondern eine Erfahrung, die zum Aufwachsen dazugehört», erklärt Rogge.

Kinder halten unterschiedliche Regeln aus

Es hätte aus Sicht des Experten dabei sogar eine entlastende Seite, wenn sich Erwachsene erlauben, nicht alles erklären oder ausgleichen zu müssen. Wenn sie zu ihren Eigenheiten stehen, zu ihren Ecken und Kanten. Dann sei es eben so, dass Oma und Opa andere Regeln haben. Rogge: «Sie dürfen das. Genauso wie es zu Hause anders sein darf. Kinder halten das aus.» 

Und manchmal entstehe genau dadurch sogar etwas Wertvolles: Entlastung im Alltag, Zeit für Partnerschaft, neue Kraft. Einen Grundsatz sollten Eltern allerdings beherzigen: Kinder wissen gern, woran sie sind. Sie bräuchten keine perfekten Eltern, sondern authentische Eltern. 

ZUR PERSON: Jan-Uwe Rogge, 1947 geboren, ist seit fast 50 Jahren als Familien- und Kommunikationsberater tätig und hat mehrere Sachbücher zu Erziehungsthemen geschrieben.