Montreal (dpa) –
Die als Medaillenkandidatin gehandelte Franziska Koch hat ihr zweites Edelmetall bei den Straßenrad-Weltmeisterschaften in Montreal deutlich verpasst. Die 26 Jahre alte Roubaix-Siegerin fuhr nach 180,1 Kilometern und 2570 Höhenmetern auf Platz zehn und lag damit 5:51 Minuten hinter der neuen Weltmeisterin Demi Vollering aus den Niederlanden. Silber ging an Kasia Niewiadoma-Phinney aus Polen, Bronze gewann die Italienerin Elisa Longo Borghini.
«Ich bin zufrieden. Natürlich war eine Medaille der große Traum. Aber wenn man sieht, wer hier alles am Start stand, dann ist das keine Schande und Platz zehn eine sehr gute Platzierung», sagte Koch der dpa.
Damit wird die von Koch im Einzelzeitfahren gewonnene Bronzemedaille wohl der einzige Erfolg für German Cycling bleiben. Im Straßenrennen der Männer ist die deutsche Mannschaft zwar mit Florian Lipowitz vertreten, doch dem 26-Jährigen fehlt nach seinem Sturz bei der Tour de France vor zwei Monaten voraussichtlich noch die nötige Fitness für eine vordere Platzierung.
In Koch und Liane Lippert hatte das deutsche Team zwei Fahrerinnen dabei, denen die schwere Schlussrunde mit drei Anstiegen liegt. Koch hatte bisher eine starke Saison gehabt und im Einzelzeitfahren gute Form bewiesen. Lippert hatte in der Vergangenheit bei Weltmeisterschaften oft gute Leistungen gezeigt, war 2022 und 2024 auf Platz vier gefahren. Zudem ist die 28-Jährige kletterstärker als Koch, was vor allem auf dem etwa zwei Kilometer langen Anstieg am Mont Royal von Vorteil war.
Schwerer Sturz sorgt für Selektion
Als es auf die Schlussrunden ging, war die deutsche Mannschaft aufmerksam dabei. Als es 95 Kilometer vor dem Ziel zu einem schweren Sturz im vorderen Teil des Feldes kam, waren Koch und Lippert sowie Antonia Niedermaier bestens vorn platziert. Die Schwedin Caroline Andersson und die Australierin Lauretta Hanson wurden zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht.
Die Titelverteidigerin Magdeleine Vallieres aus Kanada, die WM-Zweite Niamh Fisher-Black aus Neuseeland, Kim le Court aus Mauritius sowie das spanische Top-Talent Paula Blasi waren dagegen in den Sturz involviert – ihre Medaillenchancen waren dahin. «Als wir auf den Rundkurs gekommen sind, wurde es verrückt. Da wurde viel zu hohes Risiko gegangen», sagte Blasi nach ihrer Aufgabe.
Vollerings Attacke sitzt
Die niederländische Mannschaft um Top-Favoritin Demi Vollering bestimmte in der nur noch 40 Fahrerinnen großen Spitzengruppe das Tempo, ließ zunächst keine Attacken zu. In der viertletzten Runde, etwa 50 Kilometer vor dem Ziel, häuften sich jedoch die Angriffe und das Team Oranje hatte es immer schwerer, das Rennen zu kontrollieren. Die Französin Maeva Squiban konnte sich eine gute halbe Minute absetzen.
Drei Runden vor Schluss wurde dann richtig Radrennen gefahren. Puck Pieterse fuhr am Mont Royal am Anschlag hoch, ihre Teamkollegin Vollering setzte zur Attacke an. Lippert und Niedermaier waren direkt abgehängt, Koch konnte sich in der achtköpfigen Verfolgergruppe von Vollering zunächst festbeißen, verlor dann jedoch den Anschluss und war auf sich allein gestellt. Damit waren alle Medaillen-Hoffnungen dahin.
Als alles nach einem souveränen Sieg von Vollering aussah, schlossen Longo Borghini, Niewiadoma-Phinney und Juliette Berthet in der vorletzten Runde auf. Mit der Schlussglocke attackierte Longo Borghini, wurde jedoch von Vollering und Niewiadoma-Phinney am langen Anstieg distanziert. Im Sprint war die Niederländerin schließlich stärker.
