Chatbots sind für viele Kinder und Jugendliche mittlerweile tägliche Begleiter. Sie unterstützen zum Beispiel bei den Hausaufgaben oder beim Lernen. Manchmal geht die Beziehung zwischen Kind und KI aber deutlich tiefer. Da wird der Chatbot zum Vertrauten, spendet Trost in schwierigen Lebenslagen, gibt Ratschläge, ohne zu urteilen, und ist einfach immer da.
Wenn Künstliche Intelligenz so zum digitalen «Freund» wird, sollten Eltern genauer hinschauen. Darauf macht die Medienkompetenz-Initiative «Flimmo» anlässlich des Safer Internet Day 2026 aufmerksam.
«Es ist wichtig, Kindern zu vermitteln: Hinter vermeintlicher Nähe steckt nur ein Programm. Echte Gefühle und der Austausch mit anderen Menschen sind nicht ersetzbar», so Thorsten Schmiege, Präsident der für «Flimmo» hauptverantwortlichen Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM).
Wann wird die Beziehung zur KI problematisch?
Problematisch wird die Freundschaft zwischen KI und Kind der Initiative zufolge dann, wenn Kinder erleben, dass Gespräche mit echten Menschen anstrengender sind als mit einem Chatbot. Es bestehe die Gefahr, dass sie die KI bevorzugen. Darunter können auf lange Sicht auch Kompetenzen wie Konfliktlösung, kritisches Denken und der Umgang mit anderen Meinungen leiden. Auch eine emotionale Abhängigkeit sei möglich, so die Experten von «Flimmo».
Datenschutz und Sicherheit sind ebenfalls kritische Punkte: Persönliche Informationen, die Kinder und Jugendliche mit Chatbots teilen, können weitergegeben werden.
Und: Im schlimmsten Fall geben KI-Chatbots problematische oder gefährliche Ratschläge – etwa im Zusammenhang mit Essstörungen und anderen psychischen Erkrankungen.
Erklären und zuhören
Was sollten Eltern mit Blick auf die KI-Nutzung ihrer Kinder beachten? «Flimmo» empfiehlt drei Ansatzpunkte:
- Erklären: Wie funktioniert KI? Das sollten Eltern ihren Kindern verständlich machen. Wichtig sei, darauf einzugehen, dass Chatbots keine Gefühle und kein echtes Verständnis haben und Antworten durch Berechnungen entstehen – nicht durch Mitgefühl.
- Echte Beziehungen pflegen: Eltern sollten ihren Kindern vermitteln, dass Freundschaften und soziale Kontakte unersetzbar sind. Und zwar in allen Facetten: Dazu gehören eben auch Auseinandersetzungen, Enttäuschungen und Versöhnung.
- Im Gespräch bleiben: Eltern sollten sich Zeit für ihre Kinder nehmen und aufmerksam zuhören. «Wenn Kinder sich gesehen und ernst genommen fühlen, verlieren digitale ‚Zuhörer‘ an Bedeutung», heißt es von der Initiative.
Auch Eltern sollten ihre KI-Nutzung reflektieren
Übrigens: Auch Eltern sollten sich kritisch mit ihrer eigenen KI-Nutzung auseinandersetzen, etwa wenn Chatbot als Erziehungsratgeber zum Einsatz kommen. Fragen Eltern etwa nach Leitlinien zur Mediennutzung ihrer Kinder, sollten sie die Quellen der KI immer überprüfen. Darauf macht das Präventionsnetzwerk «Sucht.Hamburg» aufmerksam.
Eltern sollten sich zudem bewusst machen, dass KI-Chatbots in ihren Antworten meist allgemein bleiben und nicht schaffen, zu differenzieren. Jedes Kind und jede Familie bringe aber unterschiedliche Voraussetzungen und Bedürfnisse mit. «Eltern stehen daher vor der Herausforderung, KI bewusst als unterstützendes Werkzeug zu nutzen, ohne Verantwortung oder komplexe Entscheidungen an sie auszulagern», heißt in einer Mitteilung des Netzwerks.
KI: Material für Eltern und Familien
Familien, die sich mit dem Thema KI auseinandersetzen möchten, können sich zum Beispiel auf der Flimmo-Webseite Impulse holen. Auch die Initiative «Klicksafe» bietet einen Eltern-Ratgeber zum Download. Das Netzwerk «Sucht.Hamburg» unterstützt das Projekt «Mediencoach», das unter anderem Informationen für Eltern zum Thema Kinder und digitale Medien bereitstellt.
Hintergrund: Der Safer Internet Day wird in Deutschland von der EU-Initiative «Klicksafe» koordiniert. 2026 soll es unter dem übergeordneten Motto «KI and me. In künstlicher Beziehung» um die Frage gehen, wie sich die zunehmende Nutzung von KI-Begleitern auf unser Miteinander und vor allem auf das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen auswirkt.
