Die Verbraucher konsummieren zunehmend weniger Fleisch. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa)

Auch aufgrund der Afrikanischen Schweinepest haben Produzenten aus Deutschland im vergangenen Jahr deutlich weniger Fleisch ins Ausland exportiert. Im Vergleich zum Jahr 2021 sind die Exporte um 6,9 Prozent geschrumpft, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Es bestätigte auch frühere Angaben zur gesunkenen Inlandsproduktion, die mit 7,0 Millionen Tonnen gut 8 Prozent unter dem Wert aus dem Jahr 2021 gelegen hat.

Die rückläufige Produktion dürfte mit überdurchschnittlich gestiegenen Preisen (plus 14,5 Prozent im Jahr 2022) wie auch mit der abnehmenden Fleischlust der Deutschen zu tun haben. Seit Jahren konsumieren Verbraucher zunehmend weniger Fleisch. Der Pro-Kopf-Verbrauch lag laut Zahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung im Jahr 2021 bei 55 Kilogramm pro Jahr. Das waren 12,4 Prozent weniger als im Jahr 2011.

Für das Klima sind diese Zahlen gute Nachrichten. «Weniger Fleischproduktion ist gut fürs Klima, gut für die Umwelt und gut für die Tiere, die in der industriellen Massentierhaltung systematisch krank gemacht werden», teilte Annemarie Botzki von der Verbaucherorganisation Foodwatch mit. «Die Nutztierhaltung verursacht enorme Klima- und Umweltschäden.»

Rodung für Futterproduktion

Das liegt zum einen an der Tierhaltung selbst, aber auch an der Futterproduktion, für die etwa häufig große Waldflächen gerodet werden. Einer Studie aus dem Jahr 2021 in der Fachzeitschrift «Nature Sustainability» zufolge hat sich etwa die Anbaufläche für Soja im brasilianischen Amazonasgebiet seit dem Jahr 2000 von 4000 auf 46.000 Quadratkilometer mehr als verzehnfacht. Ein Großteil des von außerhalb der EU importierten Sojas wird für die Herstellung von Nutztierfutter verwendet.

Positiv bewertet die Umweltschutzorganisation Greenpeace, dass auch die Importmengen von Fleisch nach Deutschland im vergangenen Jahr zurückgegangen sind – um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilte. «Ansonsten gäbe es ja nur Verlagerungseffekte», teilte Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin Christiane Huxdorff mit. Fleisch würde also nur im Ausland statt in Deutschland produziert, «was dem Klima nicht wirklich helfen würde».

Doch aus Sicht der Branche gehen bei manchen Produkten die Importe trotzdem hoch – vor allem bei sogenannten Teilstücken, also bestimmten Teilen vom Tier, die in Deutschland besonders gerne gegessen werden. Da gebe es hierzulande eine Unterversorgung, sagt Steffen Reiter, Geschäftsführer beim Fleischexport-Verband German Meat. Teilstückimporte stiegen bei manchen Produkten bereits an.

Der Produktionsrückgang hat aus seiner Sicht weniger mit dem schwindenden Fleischkonsum der Deutschen zu tun als mit den politischen Rahmenbedingungen für die Landwirte. Die Betriebe stiegen aufgrund der Unsicherheit über die Rahmenbedingungen aus der Produktion aus», sagt er. Es fehle sowohl an ausreichender Förderung für den Umbau von landwirtschaftlichen Betrieben als auch bau- und emissionsschutzrechtliche Vorgaben.

Das Problem erkennt auch Greenpeace an. Die Landwirte «sollten beim Um- und Abbau ihrer Bestände besser unterstützt werden», fordert Expertin Huxdorff.

Chinesischer Markt geschrumpft

Zwischenzeitlich ruft Reiter vom Verband German Meat die Bundesregierung dazu auf, sich in China für den Einfuhr deutscher Fleischprodukte einzusetzen. China war 2017 noch für ein knappes Zehntel der Fleischexporte stand. 2022 betrug der chinesische Anteil nur noch 0,1 Prozent. «Andere europäische Länder haben ihre Erzeugung im gleichen Zeitraum ausgeweitet und auch ihren Außenhandel stabilisieren können», teilte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, Bernhard Krüsken, auf Anfrage mit.

Seit 2017 ist besonders die Menge des ausgeführten Schweinefleischs, das immer noch gut die Hälfte der Fleischexporte ausmacht, um mehr als ein Fünftel (20,4 Prozent) zurückgegangen. Auch deutsches Rindfleisch war mit einem Minus von 11,4 Prozent im Ausland weniger gefragt. Relativ konstant blieb hingegen die Menge des ausgeführten Geflügelfleischs. Die Importe gingen im selben Zeitraum um 15,9 Prozent zurück. Auch hier war deutlich weniger Schweinefleisch gefragt.

Von Matthias Arnold und Christian Ebner, dpa

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