Russlands Eiskunstlaufstar Kamila Walijewa wird bei Olympia im Einzel starten. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Bernat Armangue/AP/dpa)

In der Doping-Affäre um die Eiskunstläuferin Kamila Walijewa sieht das Internationale Olympische Komitee keine Fortsetzung des Skandals um Russlands organisierten Sportbetrug.

«Es scheint sich nicht um eine solche Situation zu handeln», sagte IOC-Mitglied Denis Oswald bei den Winterspielen in Peking. Auch wenn der Dachverband noch nicht alle Details rund um den positiven Test der 15 Jahre alten Europameisterin kenne, gehe man nicht von einer Verbindung zum russischen Dopingsystem vergangener Jahre aus, versicherte Oswald.

Der Schweizer war Vorsitzender einer Kommission, die sich mit den Manipulationen der Russen bei den Winterspielen in Sotschi 2014 befasste. Wegen weiterer Verstöße ist Russland wie schon bei den Sommerspielen in Tokio auch bei Olympia in Peking offiziell ausgeschlossen. Schärfere Sanktionen lägen «nicht in den Händen des IOC», sondern seien Sache der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), sagte Oswald. Die Wada werde im Lichte der Entwicklungen die Strafen gegen Russland prüfen und möglicherweise erweitern, fügte er hinzu.

In Peking darf für die russischen Athleten die Hymne ihres Landes nicht gespielt, die Flagge nicht gehisst werden. «Wir folgen der Entscheidung der Wada», sagte Oswald. Ende des Jahres läuft Russlands zweijähriger Olympia-Bann aus – und damit vor den nächsten Sommerspielen 2024 in Paris.

Die Eiskunstläuferin Walijewa darf nach einem Eil-Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs Cas trotz eines Dopingvergehens vom Dezember im olympischen Damen-Einzel starten. Da die B-Probe der Russin noch nicht untersucht worden sei, sei ihr Dopingverstoß noch nicht endgültig bewiesen, sagte Oswald. Daher habe das IOC auch entschieden, im Falle eines Medaillengewinns von Walijewa auf eine Siegerehrung bei Olympia zu verzichten.

War Opas Herzmittel Schuld am positiven Dopingtest?

Die Medizin ihres Opas soll nach Angaben der Anwälte von Walijewa zu ihrem positiven Dopingtest vor Olympia in Peking geführt haben. Es sei zu einer «Verunreinigung mit einem Produkt gekommen, das ihr Großvater eingenommen hat», sagte Oswald unter Berufung auf die Rechtsbeistände der Russin. Dies sei Teil der Verteidigung Walijewas im Eilverfahren des Internationalen Sportgerichtshofs Cas über ihre Zulassung zum Damen-Einzel gewesen, fügte der Vorsitzende der IOC-Disziplinarkommission hinzu.

Ihre Anwälte hätten «Gründe präsentiert, die Zweifel an ihrer Schuld» hinterließen, sagte IOC-Funktionär Oswald. Offen ließ der Schweizer, wie genau die Medizin des Großvaters in Walijewas Körper gelangt sein soll. Die B-Probe sei bisher nicht analysiert worden.

Das IOC hatte kurz nach dem Cas-Urteil entschieden, dass es im Falle eines weiteren Medaillengewinns von Walijewa im Damen-Einzel keine Siegerehrung bei den Winterspielen geben wird. Schon die Medaillenzeremonie für den Team-Wettbewerb, in dem Walijewa die Russen zu Gold geführt hatte, war kurzfristig abgesagt worden.

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