Christine Lagarde, Präsidentin der EZB. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Boris Roessler/dpa)

Die Wirtschaft im Euroraum hat den Corona-Schock nach Einschätzung von Europas Währungshütern noch nicht völlig verdaut. «Die Wirtschaft hat die Talsohle durchschritten, ist aber noch nicht ganz über den Berg».

Das sagte die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, zum Auftakt der jährlichen EZB-Notenbank-Konferenz, die dieses Mal als Online-Veranstaltung ausgerichtet wurde.

Der rasche Aufschwung nach Ende der Corona-Einschränkungen erkläre auch das zuletzt vergleichsweise kräftige Anziehen der Teuerungsraten. Das, was aktuell zu beobachten sei, sei «vor allem eine Phase vorübergehender Inflation im Zusammenhang mit der Wiedereröffnung», führte Lagarde aus.

Aus Sicht der EZB ist der Anstieg der Verbraucherpreise vorübergehend und auf Sonderfaktoren infolge der Corona-Krise zurückzuführen. So waren zum Beispiel die Rohölpreise wegen geringer Nachfrage auf dem Weltmarkt nach Ausbruch der Pandemie im Frühjahr 2020 eingebrochen. Seither haben sie sich erholt. Auch die Rückkehr zu den üblichen Mehrwertsteuersätzen in Europas größter Volkswirtschaft Deutschland zum 1. Januar 2021 hatte einen Effekt auf die Teuerung im Euroraum.

«Tatsächlich entsprechen die niedrige Inflationsrate im vergangenen Jahr und die hohe Inflationsrate in diesem Jahr im Durchschnitt der Inflationsrate, die 2019 vor der Pandemie zu beobachten war», sagte Lagarde. Das Preisniveau sei also in etwa so, als ob die Inflation auf ihrem Niveau von vor der Pandemie geblieben sei.

Die Notenbank strebt neuerdings für den Euroraum eine jährliche Teuerungsrate von zwei Prozent an und ist zumindest zeitweise bereit, ein moderates Über- oder Unterschreiten dieser Marke zu akzeptieren. Es brauche nach wie vor einen unterstützenden geldpolitischen Kurs, «um die Pandemie sicher zu überwinden und die Inflation nachhaltig auf zwei Prozent zurückzuführen», bekräftigte Lagarde.

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