Zum 1. September gab es 25 Vorstandsfrauen mehr als im Vorjahr, wie aus der aktuellen Untersuchung hervorgeht (Symbolbild). (Urheber/Quelle/Verbreiter: Annette Riedl/dpa)

Mehr Frauen als sonst haben in diesem Jahr den Sprung in die Topetage börsennotierter Unternehmen in Deutschland geschafft.

Zum 1. September gab es 25 Vorstandsfrauen mehr als im Vorjahr, wie aus einer Untersuchung der gemeinnützigen Allbright-Stiftung hervorgeht. Es sei der bislang größte jährliche Zuwachs in den 160 Unternehmen der Dax-Familie. Noch nie seien so viele Frauen für die Führungsetage rekrutiert worden.

Der Anteil der Top-Managerinnen stieg um 3,3 Prozentpunkte auf 13,4 Prozent. In den Vorständen der Unternehmen aus Dax, MDax und SDax saßen demnach 93 Frauen 603 Männern gegenüber. Mehr als die Hälfte (81) der ausgewerteten Firmen hat den Angaben zufolge aber nach wie vor keine Frau im Vorstand.

Nicht hinter der einen «Alibi-Frau» verstecken

Den größten Zuwachs gab es mit plus 5,4 Prozentpunkten auf einen Frauenanteil von 18,2 Prozent in den Vorständen der 30 Dax-Konzerne. Nach der Erweiterung der obersten Börsenliga am 20. September um 10 Konzerne, sank der Anteil auf 17,4 Prozent. Denn die Hälfte der Dax-Neulinge hat den Angaben zufolge keine Managerin im Vorstand.

Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland weiter hinterher. In den 30 Börsenschwergewichten in den USA liegt der Frauenanteil demnach bei 31,1 Prozent, gefolgt von Großbritannien (27,4 Prozent) und Schweden (27,1 Prozent).

«Unternehmen sollten sich jetzt nicht zurücklehnen und hinter der einen «Alibi-Frau» verstecken», forderten die Geschäftsführer der Allbright-Stiftung, Wiebke Ankersen und Christian Berg. «Sie werden sich daran messen lassen müssen, ob hier eine echte Transformation zustande kommt, wie sie in anderen westlichen Industrieländern längst in vollem Gange ist.»

Wie auch bei der Digitalisierung brauche es einen Aufbruch, der die deutsche Wirtschaft voranbringe, «und dazu braucht es einen deutlich höheren Frauenanteil in den Vorständen.»

Die Politik hatte den Druck jüngst erhöht: Nach dem «zweiten Führungspositionen-Gesetz» müssen große Unternehmen in Deutschland Frauen bei der Besetzung von Posten der höchsten Management-Ebene künftig stärker berücksichtigen. Demnach muss in börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Firmen mit mehr als 2000 Beschäftigten und mehr als drei Vorständen künftig mindestens eine Frau in dem Gremium sitzen. Bei Neubesetzungen der Posten muss darauf Rücksicht genommen werden.

Es drohen Bußgelder

Andere börsennotierte oder mitbestimmte Unternehmen, die nicht unter die Mindestvorgabe fallen, sollen begründen müssen, wenn sie für ihren Vorstand ohne Frauen planen – wenn sie also eine «Zielgröße Null» in ihren Berichten angeben. Geschieht das nicht, drohen Bußgelder. Der Studie zufolge nennen noch 37 der ausgewerteten Unternehmen die «Zielgröße Null».

Die deutsch-schwedische Allbright-Stiftung setzt sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der Wirtschaft ein.

Von